Preisstrategie · 7 Min. Lesezeit
Gute Net Revenue Retention bei SaaS und was Pricing dazu beiträgt
hy Pricing-TeamGeprüft von Expertinnen und Experten von hy
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Das Wichtigste in Kürze
- Mit einer Net Revenue Retention über 100 % wächst Software-Umsatz auch ohne Neukunden. Gut sind über 110 %, stark über 120 %.
- Die Net Revenue Retention des besten Zehntels der Softwareanbieter sank von 2022 bis 2024 um 19 Prozentpunkte. Vergleichsmaßstab sind Anbieter mit ähnlicher Kundengröße.
- Pricing hebt die Net Revenue Retention einer Software über eine mitwachsende Preismetrik, einen klaren Weg ins nächste Paket, nachkaufbare Module und regelmäßige Preisanpassungen.
- KI-Funktionen ohne Aufpreis halten Softwarekunden, heben die Net Revenue Retention aber nicht. Als Paketstufe, Add-on oder Credits geben sie Kunden einen Grund, mehr zu zahlen.
Die Net Revenue Retention (NRR) zeigt, wie viel wiederkehrender Umsatz von den Kunden eines Stichtags ein Jahr später übrig ist, nach Kündigungen, Downgrades, Upgrades und Preisanpassungen. Liegt sie über 100 %, wächst euer Bestand auch ohne einen einzigen Neukunden. In den SaaS-Benchmarks, die wir für unseren SaaS & AI Pricing Report 2026 zusammengetragen haben, lag sie im oberen Quartil der starken SaaS-Jahre bei 120 %. Gäste in unserem Podcast nennen für ihre Firmen 110 bis 140 %. Pricing ist einer der direktesten Hebel dorthin, weil es bestimmt, ob ein Kunde mit wachsender Nutzung auch mehr bezahlt.
Dieser Artikel ist für Geschäftsführung, CFO und Revenue-Verantwortliche in SaaS-Unternehmen, und für Investoren, die die NRR einer Beteiligung einordnen wollen.
So berechnet ihr die NRR
Ihr nehmt den wiederkehrenden Umsatz aller Kunden, die zu Beginn des Zeitraums Kunden waren, und schaut, was dieselben Kunden zwölf Monate später zahlen. Neukunden aus dem Zeitraum zählen nicht mit.
NRR = (Umsatz am Anfang + Expansion + Preiserhöhungen − Downgrades − Kündigungen) ÷ Umsatz am Anfang
Die Schwester der NRR ist die Gross Revenue Retention (GRR). Sie zählt nur die Verluste, also Kündigungen und Downgrades, und kann deshalb nie über 100 % liegen. Die GRR zeigt, wie dicht euer Bestand ist, die NRR zeigt, ob er wächst.
Bei veröffentlichten Werten lohnt ein Blick auf die Definition. Figma meldet für Ende Juni 2026 eine Net Dollar Retention von 136 %, gerechnet nur über zahlende Kunden mit mehr als 10.000 US-Dollar ARR. Kleinere Kunden fehlen in dieser Zahl. Laut Finanzchef Praveer Melwani haben die Kunden sowohl Seats als auch KI-Credits nachgekauft.
Rechenbeispiel:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Wiederkehrender Umsatz am Anfang | 1.000.000 Euro |
| Kündigungen | −80.000 Euro |
| Downgrades | −20.000 Euro |
| Upgrades, mehr Nutzer, neue Module | 120.000 Euro |
| Preiserhöhung im Bestand | 40.000 Euro |
| Umsatz derselben Kunden nach zwölf Monaten | 1.060.000 Euro |
| NRR | 106 % |
| GRR | 90 % |

In diesem Beispiel kommt ein Viertel des Zuwachses von 160.000 Euro aus der Preiserhöhung. Der Rest kommt aus Expansion, und auch die hängt am Pricing.
Welche NRR gut ist
Die Benchmarks stammen unter anderem von ChartMogul und Benchmarkit. In den starken SaaS-Jahren 2010 bis 2021 lag die NRR im oberen Quartil und bei börsennotierten SaaS-Anbietern bei 120 %, Kunden haben also jedes Jahr mehr gekauft. Danach hat sich das Bild gedreht: Die NRR des besten Zehntels sank von 2022 bis 2024 um 19 Prozentpunkte. Wer sich heute an den Zahlen der Boomjahre misst, setzt die Latte zu hoch.

Was Gäste in unserem Podcast über ihre eigenen Zahlen erzählt haben, liegt in einer ähnlichen Spanne:
| Quelle | Wert | Treiber laut Gast oder Report |
|---|---|---|
| Nikolai Skatchkov, Spend Management | 110 % NRR, knapp 96 % Logo-Retention | Abrechnung von Mehrnutzung, weitere Gesellschaften |
| Fabian Heinrich, Procurement-Software | 130 bis 140 % NRR | neue Module |
| Figma | 136 % Net Dollar Retention | KI-Credits pro Seat, Nachkauf |
| Oliver Pabst, Investor | 120 bis 140 % als Merkmal wertvoller Firmen | Kunden halten und ausbauen |
Oliver Pabst hat es so beschrieben: Wer Kunden behält und ausbaut, „sprich Net Retention Rates von 120, 130, 140 % hat. Und wenn du die hast, dann hast du auch ein extrem wertvolles Unternehmen.“ Unsere Einordnung: Für die meisten B2B-Softwareanbieter ist eine NRR über 100 % das erste Ziel, über 110 % ein guter Wert und über 120 % ein starker. Kleine Kunden kündigen leichter, weil sie, wie Timo Müller in Folge 7 sagt, „viel weniger Opportunitätskosten“ haben. Vergleicht euch deshalb mit Anbietern, die eine ähnliche Kundengröße bedienen.
Vier Pricing-Hebel für die NRR
Eine Preismetrik, die mit dem Kunden wächst
Wenn euer Preis an einer Einheit hängt, die beim Kunden wächst, wächst euer Umsatz ohne neues Verkaufsgespräch mit. Genau das ist ein Kriterium einer guten Preismetrik: Der Umsatz wächst automatisch mit dem Wachstum des Kunden. Nikolai Skatchkov beschreibt in Folge 113 eine Variante davon: „wir haben also Overusage-Lizenzen“, Spitzen wie Praktikanten oder ein Firmenfest werden extra abgerechnet.
Ein klarer Weg ins nächste Paket
Drei Pakete machen das Upgrade zum natürlichen nächsten Schritt. So lassen sich Bestandskunden leicht in höhere Pakete bringen. Voraussetzung ist, dass das mittlere Paket einen Grund zum Wechsel liefert, den Kunden im Alltag spüren, und dass die Preisabstände zwischen den Paketen stimmen.
Module und Add-ons, die man nachkaufen kann
Fabian Heinrich hat in Folge 93 erklärt, woher seine 130 bis 140 % kommen. Mehr Nutzer, Länder und Geschäftsbereiche spielen eine kleinere Rolle: „Der Wachstumstreiber sind eher neue Module“. Ein Produkt, das nur in einem einzigen Paket existiert, hat diesen Hebel nicht. Dafür muss klar sein, was ins Paket gehört und was als Add-on extra kostet.
Regelmäßige Preisanpassung im Bestand
Eine Erhöhung um einige Prozent im Jahr hebt die NRR direkt, solange sie die GRR nicht stärker senkt. Nach Preiserhöhungen sehen wir bei Software ganz oft eine Retention von über 90 bis 95 %. Damit Kündigungen im Rahmen bleiben, plant ihr die Erhöhung nach Kundengruppen.
Warum Investoren auf die NRR schauen
Für Käufer von Softwareunternehmen ist die NRR eine Kennzahl der Umsatzqualität. Mark Miller, der Softwarefirmen beim Verkauf begleitet, hat es in Folge 123 so gesagt: „Und natürlich auch solche andere Kennzahlen wie Gross Revenue Retention, Net Revenue Retention. Da guckt man schon genau auf die Kohorten und wenn die gut sind, dann sind die Bewertungen weiter gut“. Dr. Stephan Schmid von Bregal hat in Folge 129 ergänzt, dass gutes Pricing doppelt wirkt: „Erfolgreiches Pricing zahlt natürlich auf die erste Metrik, auf den Profit, eins zu eins ein.“ Dazu verbessert es Wachstum, Profitabilität und Risikoprofil, die drei Treiber des Bewertungsmultiples. Die NRR ist dabei eine von mehreren Pricing-Kennzahlen, die Investoren prüfen.
Ein ungenutzter NRR-Hebel liegt bei vielen Softwareanbietern gerade in der KI. Ein KI-Feature kann dem Kunden viel Arbeit abnehmen und dem Anbieter keinen zusätzlichen Euro bringen. In unserer Befragung von 153 SaaS- und KI-Anbietern für den SaaS & AI Pricing Report 2027 bauen 50 % KI ohne Aufpreis ins Kernprodukt ein, und 22 % monetarisieren sie noch gar nicht. Das kann die GRR schützen, weil das Produkt besser wird. Expansion bringt es nicht. Wer KI als Paketstufe, Add-on oder Credits anbietet, schafft dagegen einen Grund, mehr zu zahlen.
Was ihr am Montag tun könnt
- Rechnet NRR und GRR der letzten zwölf Monate aus, getrennt nach Kundengröße.
- Zerlegt die Veränderung in Kündigungen, Downgrades, Expansion und Preiserhöhung.
- Prüft, ob eure Preismetrik mit dem Kunden wächst oder bei einer festen Zahl stehen bleibt.
- Zählt, wie viele Bestandskunden im letzten Jahr in ein höheres Paket gewechselt sind oder ein Modul nachgekauft haben.
- Legt fest, wann die nächste Preisanpassung im Bestand kommt.
Fazit: Die NRR wird im Preismodell angelegt
Eine NRR über 100 % heißt, euer Bestand wächst von selbst, Werte über 110 bis 120 % sind stark. Ein großer Teil davon wird beim Pricing entschieden: in der Metrik, die mit dem Kunden wächst, im Weg ins nächste Paket, in nachkaufbaren Modulen und in einer regelmäßigen Preisanpassung. Wer diese Hebel nicht baut, bleibt bei der Expansion auf den Vertrieb allein angewiesen.
Ob eure Pakete einen Weg nach oben zeigen, beginnt auf der Preisseite. Einen ersten Stand dazu bekommt ihr in rund einer Minute mit dem kostenlosen Pricing-Audit auf pricing-friends.de. Er liest eure Preisseite live, prüft Preismodell, Paketierung, Preispunkte und Einstiegsangebot und vergibt einen Score von 0 bis 100 mit Befunden. Geprüft wird nach dem Vorgehen, das die hy Consulting Group in mehr als 600 Pricing-Projekten entwickelt hat.
Quellen
- SaaS & AI Pricing Report 2027 von hy, S. 19, 21, 33, 41
- SaaS & AI Pricing Report 2026 von hy, S. 12, 14
- Figma: Figma Announces Second Quarter 2026 Financial Results, Pressemitteilung vom 5. August 2026 (SEC, Form 8-K), Net Dollar Retention und ihre Definition
- Pricing Friends, Folge 5: Private Equity und Pricing mit Andreas Spiegel: Wie revolutioniert effektives Pricing den Wert von Softwareunternehmen?
- Pricing Friends, Folge 7: Softwarelizenzen und Pricing mit Timo Müller: Wie beeinflusst die Preisgestaltung das Softwaregeschäft?
- Pricing Friends, Folge 84: KI und Pricing mit Dr. Oliver Pabst: Warum gelingt echtes Value-Based Pricing nur 5 % der Softwareanbieter?
- Pricing Friends, Folge 93: ProcurementTech und Pricing mit Fabian Heinrich: Wie werden Einkauf und KI zusammen zum Werttreiber?
- Pricing Friends, Folge 113: Spend Management-Software und Pricing mit Nikolai Skatchkov: Wie skaliert man profitabel in einem Markt, der noch kaum digitalisiert ist?
- Pricing Friends, Folge 123: Software-M&A und Pricing mit Mark Miller: Was entscheidet über den Preis einer SaaS-Company beim Exit?
- Pricing Friends, Folge 129: Private Equity und Pricing mit Dr. Stephan Schmid