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Private Equity · 6 Min. Lesezeit

Welche Pricing-Kennzahlen sollte ein Operating Partner prüfen?

Partner und Co-CEO, hy

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Das Wichtigste in Kürze

  • Das EBITDA einer Software-Portfoliofirma zeigt Preisänderungen spät. Neun Pricing-Kennzahlen zeigen Monate vorher, ob ein Pricing-Hebel wirkt: vier zum Preis, fünf zur Kundenwirkung.
  • Private-Equity-Investoren sollten jede Pricing-Kennzahl für alle Software-Beteiligungen gleich definieren. Sonst vergleicht das Review nur Rechenwege.
  • Sinkende Seats je Kunde sind bei Software mit Preis pro Nutzer eine Pricing-Kennzahl, die Umsatzverlust schon vor jeder Kündigung zeigt.
  • Als erste Pricing-Kennzahlen im Software-Portfolio eignen sich realisierter Preis, Gross Revenue Retention und Seats je Kunde. KI-Umsatz gegen KI-Kosten braucht eine eigene Kennzahl.

Ein Operating Partner sollte im Pricing einer Software-Portfoliofirma neun Kennzahlen regelmäßig sehen. Vier betreffen den Preis selbst: realisierter Preis, Rabattstreuung, Alter der Bestandspreise und durchgesetzte Preiserhöhung. Fünf zeigen die Wirkung beim Kunden: Net und Gross Revenue Retention, Paketmix, Seats je Kunde sowie KI-Umsatz gegen KI-Kosten. Diese Werte zeigen Monate vor dem EBITDA, ob ein Pricing-Hebel wirkt. Der Text ist für Operating Partner und Portfolio-Teams, die mehrere Softwarebeteiligungen mit denselben Kennzahlen steuern.

Warum das EBITDA allein zu spät kommt

Am Ende zählt das Ergebnis. Johannes Benzing, Director bei Axcel, sagte in Folge 147 über KI-Projekte, sie schauten immer darauf, „was ist dann am Ende der Impact aufs EBITDA“. Für Pricing gilt dasselbe. Nur zeigt das EBITDA den Effekt einer Preisänderung erst, wenn Verträge verlängert und Rechnungen gestellt sind. Wer nur das Ergebnis verfolgt, merkt zu spät, dass der Vertrieb die neue Preisliste über Rabatte wieder zurückgibt.

Daniel Geiger, Operating Partner bei Rivean Capital, unterscheidet drei Arten von Effekten: Umsatz, Effizienz und Maßnahmen, die andere Dinge erst möglich machen. Pricing gehört eindeutig in die erste Gruppe. Die Kennzahlen unten zerlegen diesen Umsatz so, dass ihr seht, woher er kommt.

Die neun Kennzahlen

Kennzahl So rechnet ihr sie Was sie zeigt Warnsignal
1. Realisierter Preis Umsatz je Einheit nach allen Rabatten, im Verhältnis zum Listenpreis Wie viel vom Listenpreis ankommt Sinkt Quartal für Quartal
2. Rabattstreuung Rabatt je Deal, nach Vertriebsmitarbeiter und Segment Ob es Regeln gibt und ob sie gelten Gleiche Leistung, sehr unterschiedliche Rabatte
3. Alter der Bestandspreise Anteil des Umsatzes, dessen Preis seit über zwei Jahren unverändert ist Wo Spielraum liegt Hoher Anteil bei alten Großkunden
4. Durchgesetzte Preiserhöhung Realisierter Effekt geteilt durch angekündigten Effekt Ob Ankündigungen beim Kunden ankommen Unter zwei Dritteln
5. Net Revenue Retention Umsatz einer Kundenkohorte nach zwölf Monaten, inklusive Ausbau, geteilt durch den Startumsatz Ob Bestandskunden mehr zahlen Unter 100 %
6. Gross Revenue Retention Wie 5, aber ohne Ausbau Wie viel Umsatz durch Kündigung und Downgrade verloren geht Sinkt nach einer Preiserhöhung deutlich
7. Paketmix Anteil der Neukunden je Paket Ob die Pakete in die gewünschte Stufe lenken Fast alle im kleinsten Paket
8. Seats je Kunde Durchschnittliche Nutzer je Kunde im Zeitverlauf Ob die Preismetrik mitwächst Sinkt, während der Kunde bleibt
9. KI-Umsatz gegen KI-Kosten Umsatz aus KI-Paketen, Add-ons oder Credits im Verhältnis zu den Rechenkosten Ob KI Geld verdient Kosten steigen, Umsatz bleibt gleich

Die Schwellen in der Spalte Warnsignal sind unsere Faustregeln, keine Marktwerte. Wichtiger als jede einzelne Schwelle ist, dass alle Beteiligungen die Kennzahlen gleich rechnen. Sonst vergleicht ihr im Portfolio-Review Definitionen statt Ergebnisse. Auch börsennotierte Firmen weisen darauf hin. Slack schrieb in seinem Börsenprospekt von 2019, für seine Kennzahlen, darunter die Net Dollar Retention, gebe es keine einheitlichen Standards. Andere Firmen könnten gleichnamige Kennzahlen anders berechnen.

Was die Kennzahlen im Zusammenhang zeigen

Retention entscheidet über den Multiple. Mark Miller, Gründer und Managing Partner der M&A-Beratung Carlsquare, hat das so beschrieben. Käufer schauen heute sehr genau auf Gross und Net Revenue Retention und auf die Kohorten. Bei schwachen Kohorten lag der Multiple nach seiner Beobachtung bei zwei bis drei, bei guten bei zehn bis zwölf oder darüber. Der Maßstab hat sich verschoben: In den Jahren 2010 bis 2021 lag die Net Revenue Retention im oberen Quartil bei 120 %, so die SaaS-Benchmarks, die wir für unseren SaaS & AI Pricing Report 2026 zusammengetragen haben. Im obersten Dezil sank sie von 2022 bis 2024 um 19 Prozentpunkte. Eine Net Revenue Retention über 100 % ist damit wieder eine Leistung, die Käufer bezahlen.

Balkendiagramm: bei schwachen Kundenkohorten ein Bewertungsmultiple von 2 bis 3, bei guten Kohorten 10 bis 12 und mehr
Wie Käufer Kohorten bewerten, nach Mark Miller von Carlsquare. Quelle: Pricing Friends, Folge 123.
Grafik herunterladen:QuerformatHochformat 4:5Frei nutzbar, unverändert und mit Link zur Quelle, CC BY-ND 4.0

Seats sind die Frühwarnkennzahl. In der Befragung von 153 SaaS- und KI-Anbietern für unseren SaaS & AI Pricing Report 2027 verliert der Seat als künftige Hauptmetrik 31 Prozentpunkte. 25 % der Befragten haben noch keine Zielmetrik definiert. Im Podcast habe ich es so beschrieben: Bei vielen Kunden gibt es tendenziell weniger Nutzer, weil in Deutschland gerade eher Stellen abgebaut als aufgebaut werden. Sinken die Seats je Kunde, sinkt der Umsatz später auch, selbst wenn kein Kunde kündigt. Wer gegensteuern will, plant früh den Wechsel zu nutzungsbasierten Metriken.

Folie aus dem Report: Veränderung der wichtigsten Preismetrik, Ergebnis plus 20, Credits plus 14, API und Verbrauch plus 9, Workflow plus 3, Nutzer und Seat minus 31 Prozentpunkte; 25 % haben noch keine Zielmetrik
Aus dem SaaS & AI Pricing Report 2027 von hy, S. 32. Report kostenlos herunterladen

Der Paketmix zeigt, ob die Preisseite arbeitet. Das Ziel eines Portfolios aus drei Paketen ist aus meiner Sicht, in etwa 80 % der Fälle die Mitte zu verkaufen. Landen fast alle Neukunden im kleinsten Paket, ist die Mitte zu teuer oder zu leer. Prüfen lässt sich das mit einem 30-Minuten-Check der Pakete.

KI braucht eine eigene Zeile. In derselben Befragung monetarisieren 22 % der Anbieter KI noch gar nicht, 50 % integrieren sie ins Kernprodukt. Bei klassischer Software fiel eine zusätzliche Nutzung kaum ins Gewicht. Bei KI kostet jede Interaktion Geld. Ohne die Kennzahl 9 sieht der Operating Partner die Kosten in der Marge und den fehlenden Umsatz nirgends.

Die durchgesetzte Preiserhöhung trennt Ankündigung und Wirkung. In Softwaremodellen sehen wir nach Preiserhöhungen oft eine Retention von über 90 bis 95 %. Hält die Gross Revenue Retention und ist die durchgesetzte Preiserhöhung trotzdem niedrig, liegt das Problem meist im Vertrieb.

Wie oft ihr hinschaut

Rhythmus Kennzahlen
Monatlich Realisierter Preis, Rabattstreuung, durchgesetzte Preiserhöhung während einer laufenden Anpassung
Quartalsweise Net und Gross Revenue Retention über die letzten zwölf Monate, Paketmix, Seats je Kunde, KI-Umsatz gegen KI-Kosten
Halbjährlich Alter der Bestandspreise, Außensicht auf Preisseite und Wettbewerb

Die Außensicht fehlt in den meisten Dashboards, weil sie nicht aus dem CRM kommt. Sie zeigt trotzdem, was Käufer und KI-Assistenten über den Preis lesen. Bei der Softwaresuche zählt deshalb, ob eine Firma ihre Preise zeigt oder versteckt.

Unsere Hypothese: Die Seats je Kunde werden in vielen Softwareportfolios zur Kennzahl, die einen Umsatzrückgang zuerst anzeigt, lange bevor die Net Revenue Retention fällt.

Was ihr am Montag tun könnt

  1. Eine gemeinsame Definition festlegen. Schreibt für jede der neun Kennzahlen eine Formel auf und verschickt sie an alle Beteiligungen.
  2. Mit drei Kennzahlen anfangen. Realisierter Preis, Gross Revenue Retention und Seats je Kunde liefern den schnellsten Überblick.
  3. Kohorten bilden. Rechnet die Retention je Abschlussjahr und Segment, nicht nur als Durchschnitt.
  4. KI-Kosten je Kunde anfordern. Viele Firmen kennen sie nur als Gesamtrechnung ihres Anbieters.
  5. Die Kennzahlen an den Plan hängen. Ordnet jeder Pricing-Maßnahme im Value Creation Plan ihre Messgröße zu.

Fazit: Neun Kennzahlen zeigen früher als das EBITDA, ob Pricing wirkt

Ein Operating Partner sieht im EBITDA, dass Pricing gewirkt hat. In realisiertem Preis, Rabattstreuung, Retention, Paketmix, Seats und KI-Kosten sieht er, ob es gerade wirkt. Vergleichbar über das Portfolio werden sie erst mit einer einheitlichen Definition in allen Beteiligungen.

Die Außensicht für bis zu zehn Beteiligungen auf einmal liefert der Portfolio-Check: Ihr gebt die Domains ein und bekommt je Unternehmen einen Score von 0 bis 100, das Preismodell in einer Zeile und den wichtigsten Befund. Die Übersicht kommt per Mail.

Quellen