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KI-Suche · 7 Min. Lesezeit

Preise zeigen oder „auf Anfrage“? B2B-Software in der KI-Suche

Partner und Co-CEO, hy

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Das Wichtigste in Kürze

  • Versteckt ein B2B-Softwareanbieter seine Preise, bleibt er trotzdem im Vergleich. KI-Systeme holen sich den Preis dann aus fremden Quellen.
  • Die Shortlist für B2B-Software entsteht immer öfter im Chat mit KI-Systemen. 92 % der B2B-Käufer kaufen am Ende ein Produkt von ihrer ersten Liste.
  • „Preis auf Anfrage“ passt bei B2B-Software für echte Enterprise-Deals. Auch dann nennt die Preisseite Preisklasse, Preislogik und Inhalt des Enterprise-Pakets.
  • Softwareanbieter sollten Preise als lesbaren Text auf die Preisseite stellen und KI-Crawler nicht aussperren. Nach Preisänderungen gehören Bewertungsplattformen und alte Artikel aktualisiert.

Wenn ihr B2B-Software verkauft und auf eurer Preisseite „auf Anfrage“ steht, lohnt sich ein Blick darauf, wo eure Käufer heute anfangen. Wir haben vor Kurzem unseren Familienurlaub in Italien zum ersten Mal komplett mit Claude geplant: Route, Hotels, Restaurants, Ausflüge. Wir haben gesagt, was uns wichtig ist. Danach haben wir meist genau das gebucht, was empfohlen wurde. Was wir als Konsumenten erleben, verändert auch den B2B-Vertrieb.

Wenn du es mir nicht sagst, dann tschüss

Wie sich versteckte Preise aus Käufersicht anfühlen, habe ich auf einer Softwaremesse erlebt. Ich hatte etwas Zeit, bin zu den Ausstellern gegangen und habe gefragt, was ein Projektmanagement-Tool für unsere Firma kosten würde. Ich habe nicht eine konkrete Antwort bekommen. Mein Gedanke war: „Okay, ja, wenn du es mir nicht sagst, dann tschüss.“

Ich glaube, den meisten Käufern geht es so. Und die meisten Anbieter zeigen ihre Preise längst. Für den SaaS & AI Pricing Report 2026 haben wir 4.197 Softwareprofile auf OMR Reviews ausgewertet. 46 % zeigen ihre Preise vollständig. 38 % zeigen sie teilweise, etwa nur das Einstiegspaket oder einen Ab-Preis. 16 % nennen Preise nur auf Anfrage. Was mir dabei auffällt: Die Enterprise-Pakete sind fast immer versteckt. Typisch sind Preise pro Nutzer für die kleineren Pakete und daneben Enterprise auf Anfrage.

Kreisdiagramm aus dem Vorjahresreport: 46 % der Softwareprofile auf OMR Reviews zeigen ihre Preise vollständig, 38 % teilweise, 16 % nur auf Anfrage
Aus dem SaaS & AI Pricing Report 2026 von hy, S. 43. Report kostenlos herunterladen

Die Shortlist entsteht im Chat

Google zeigt tausende Ergebnisse. KI-Systeme empfehlen eine Handvoll Anbieter, und eine zweite Seite gibt es dort nicht. Viele Softwarekäufer in der DACH-Region beginnen ihre Recherche inzwischen in einem KI-System. Das hat Folgen: 92 % der B2B-Käufer kaufen am Ende ein Produkt, das schon auf ihrer ersten Liste stand, so eine Studie von Google und Bain. Entsteht diese Liste im Chat, fällt ein Teil der Entscheidung schon dort.

Die Anbieter haben das bemerkt. In unserer aktuellen Befragung von 153 SaaS- und KI-Anbietern nennen 41 % KI-Suche als größte Veränderung im Softwarekauf, 76 % passen ihr Marketing deshalb bereits an. In einer Studie von OMR Reviews und duwerk nennen 88 % der befragten Anbieter KI-Sichtbarkeit als oberste Priorität. Eines von 25 Unternehmen hält sich für gut sichtbar, keines hat dafür ein eigenes Budget.

Wer schweigt, wird trotzdem bepreist

Wer seine Preise versteckt, bleibt im Vergleich und verliert die Kontrolle über den Preis, mit dem verglichen wird. Wer „Contact Sales“ schreibt, gibt seine Preiskommunikation an andere ab.

Malte Landwehr, CPO und CMO von Peec AI, hat mir in Folge 145 den Mechanismus erklärt: „Wenn ich Informationen nicht auf meiner Pricing-Website habe und das LLM die haben will, dann wird er sich andere Quellen nehmen.“ Selbst wer seine Preise zeigt, ist damit nicht allein. Landwehr hat Abfragen wie „Notion Pricing“ oder „Linear Pricing“ mehrfach ausgeführt und die Quellen ausgewertet. Ungefähr die Hälfte stammte von Dritten, also von Seiten außerhalb der Kontrolle der Unternehmen.

Wie hartnäckig alte Zahlen sind, zeigt sein eigenes Beispiel. Peec AI hat in das kleinste Paket doppelt so viele Prompts gepackt. In Vergleichsartikeln und Reddit-Beiträgen steht trotzdem weiter das alte Angebot. Peec lässt sich inzwischen bei solchen Fundstellen alarmieren und bittet die Autoren um eine Korrektur.

Landwehr erwartet, dass transparente Preise gewinnen, wenn Agenten Kaufentscheidungen vorbereiten und sonst alles gleich ist. Er schränkt das selbst ein: Ein Anbieter mit zehnmal so vielen guten Bewertungen schlägt den transparenten Wettbewerber mit drei Bewertungen trotzdem. Transparenz hilft also dort, wo sich die Angebote ähneln. Wir erwarten für die nächsten zwölf Monate, dass maschinenlesbares Pricing von einer Marketing-Entscheidung zur Voraussetzung für Sichtbarkeit wird.

Wann „auf Anfrage“ trotzdem passt

Es gibt Fälle, in denen ein fester Listenpreis wenig aussagt: Enterprise-Lösungen mit individuellen Verträgen, Projekte mit eigenem Implementierungsumfang, On-Premise-Lizenzen mit Wartung. Für Enterprise kann „auf Anfrage“ deshalb Sinn ergeben. Rechtlich habt ihr die Wahl. Die Preisangabenverordnung gilt nach § 1 nur für Preisangaben gegenüber Verbrauchern. Eine Pflicht zur Preisangabe im reinen B2B-Geschäft ergibt sich daraus nicht. Im SMB-Bereich, grob alles bis 200 Seats, sollte es aus meiner Sicht Standard sein, Pakete und Produkte klar zu bepreisen. Felix Rahlmeyer von OMR Reviews hat dazu im Podcast ergänzt, dass auch Enterprise-Anbieter erklären müssen, wie ihr Preis entsteht: „Aber auch im Enterprise-Bereich, du musst schon irgendwie bisschen erklären.“

Zwischen vollständiger Preisliste und Schweigen gibt es drei Stufen:

  • Startpreis. Ein Ab-Preis wie „ab 99 Euro pro Monat“, danach geht es ins Gespräch mit dem Vertrieb. Er ordnet euch ein, ohne den Deal festzulegen. Am Anfang der Recherche muss vor allem die Preisklasse klar sein, sagt Landwehr: Soloselbstständige, KMU oder Enterprise. Ohne jede Indikation habt ihr dort einen Nachteil.
Preisseite von Kleinanzeigen PRO mit drei Paketen: PRO Basic ab 39 € pro Monat, PRO Power ab 59 €, PRO Premium ab 99 €, jeweils zzgl. MwSt. und mit dem Knopf „unverbindlich anfragen“
Ein Startpreis mit Anfrage: Kleinanzeigen nennt für seine PRO-Pakete Ab-Preise, der Rest entsteht im Gespräch. Screenshot: themen.kleinanzeigen.de, abgerufen am 16.10.2026
  • Preislogik. Schreibt, wovon der Preis abhängt: Nutzer, Verbrauch, Module, Standorte, Implementierung. Das kann ein KI-System zitieren, auch wenn die Endsumme im Gespräch entsteht.
  • Enterprise-Paket mit Inhalt. Wenn der Preis offen bleibt, beschreibt, was drin ist. Wir erwarten, dass auch Enterprise-SaaS Preise, Preismetriken, Einstiegspreise und Paketlogik maschinenlesbar veröffentlicht.

Der Einstiegspreis verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Bei 100 Profilen, die wir genauer analysiert haben, waren 37 % der Preisänderungen günstigere Einstiegspreise, oft über ein neues Starter-Paket. Bei der KI-Suche kommt ein Risiko dazu: Wer nur hohe Ankerpreise zeigt und keinen klugen Einstiegspreis hat, gilt bei der KI schnell als schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer so früh herausfällt, kommt schwer wieder hinein.

Landwehr warnt aber auch davor, das eigene Pricing nur für LLMs umzubauen. Komplexe Preismodelle haben meist Gründe in Kosten und Kundennutzen. Ändern sollte sich vor allem, wie ihr das Modell erklärt.

Was ihr konkret tun könnt

  1. Preis oder Startpreis zeigen. Wo kein fester Preis möglich ist, zeigt mindestens eine Preisklasse und die Preislogik.
  2. Preise als lesbaren Text anlegen. Preise, Pakete und Inhalte gehören in HTML. Landwehr empfiehlt, die Seite einmal ohne JavaScript aufzurufen. Preise und Pakete müssen dann trotzdem verständlich sein. Ein Frage-Antwort-Block unter der Tabelle beantwortet, was Häkchen offenlassen. Als Vorbild nennt er die Preisseite von Mailchimp mit einer Tabelle von 71 Zeilen, Zwischenüberschriften und Frage-Antwort-Block. In seinen Abfragen zu E-Mail-Software wurde sie ständig zitiert.
Ausschnitt der Preisseite von Mailchimp: oben die Pakete Premium, Standard und Essentials mit einer Vergleichstabelle nach Funktionen, darunter der Block „FAQs“ mit Fragen zu Testphase, Paketwechsel und SMS
Mailchimp ergänzt die Pakete um eine lange Vergleichstabelle und einen Frage-Antwort-Block. Screenshot: mailchimp.com/pricing, abgerufen am 16.10.2026
  1. Crawler nicht aussperren. Prüft, ob robots.txt oder die Voreinstellungen eures CDN die Crawler der KI-Systeme blockieren. OpenAI schreibt dazu in seiner Dokumentation: Seiten, die den Crawler OAI-SearchBot aussperren, erscheinen nicht in den Antworten der ChatGPT-Suche. Höchstens tauchen sie noch als Navigationslink auf.
  2. Überall dieselben Preise. Bewertungsplattformen, Help-Center, alte Blogartikel: Bei einer Preisänderung zieht ihr alles zeitnah nach. 93 % der befragten Anbieter veröffentlichen vor allem auf der eigenen Domain, nur 22 % auf Bewertungsplattformen. Die KI-Systeme stützen sich aber stark auf externe Quellen, darunter Bewertungsplattformen.
Balkendiagramm aus dem Report: 93 % der SaaS-Anbieter veröffentlichen vor allem auf der eigenen Website, 89 % auf LinkedIn, nur 22 % auf Bewertungsplattformen; daneben der Hinweis, dass KI-Systeme extern bestätigen und 95 % der Zitate aus nicht bezahlten Quellen kommen
Aus dem SaaS & AI Pricing Report 2027 von hy, S. 77. Report kostenlos herunterladen
  1. Selbst nachfragen. Fragt ChatGPT oder Gemini nach eurem Preis und gebt die Adresse eurer Preisseite mit. Dann seht ihr, ob das System die Information aus eurer Quelle holt. Der kostenlose Pricing-Audit auf pricing-friends.de liest eure Preisseite live, stellt ChatGPT, Claude und Gemini dieselbe Frage und vergleicht die Antworten mit eurer Seite. Geprüft wird nach dem Vorgehen, das die hy Consulting Group in mehr als 600 Pricing-Projekten entwickelt hat.
Ausschnitt aus dem Pricing-Audit für meetjamie.ai: ChatGPT, Claude und Gemini nennen auf die Frage nach dem Preis unterschiedliche Preise und Währungen, das Audit bewertet jede Antwort
Der Test aus Punkt 5 im kostenlosen Pricing-Audit auf pricing-friends.de, hier für Jamie. Screenshot: pricing-friends.de, abgerufen am 16.10.2026

Fazit: Wer den Preis nicht nennt, lässt ihn von anderen nennen

Die Frage nach dem Preis wird im Chat beantwortet, ob ihr mitmacht oder nicht. Mit einem öffentlichen Preis, einem Startpreis oder einer klar beschriebenen Preislogik liefert ihr die Quelle selbst. „Auf Anfrage“ bleibt für echte Enterprise-Deals legitim, braucht dann aber eine Preisklasse und eine Erklärung, wie der Preis entsteht. Ich bin bei dieser Frage auf der Seite der Transparenz. Alle Zahlen zu Kaufprozess und KI-Suche stehen in Kapitel 7 des SaaS & AI Pricing Report 2027.

Quellen