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Preiserhöhung · 7 Min. Lesezeit

Wie viel Preiserhöhung pro Jahr ist bei SaaS üblich?

Partner und Co-CEO, hy

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Aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Für die jährliche Preiserhöhung bei SaaS gibt es keinen festen Satz. In 100 Softwareprofilen lagen zwei Drittel der Listenpreiserhöhungen zwischen 0 und 20 %.
  • Bei einer SaaS-Preiserhöhung sind neuer Listenpreis und Preis im Bestand zwei getrennte Fragen. Im Bestand reicht meist ein jährlicher Schritt von einigen Prozent.
  • Bei SaaS bringen drei jährliche Preiserhöhungen um je 5 % auf 100.000 Euro Jahresumsatz über drei Jahre 16.013 Euro mehr als einmal 15 %.
  • Eine Indexklausel im SaaS-Vertrag deckt nur die Inflation ab. Eine Preiserhöhung für mehr Kundennutzen braucht eine eigene Begründung und eine eigene Zahl.

Wenn ihr ein SaaS-Produkt verkauft und eure jährliche Preisrunde plant: Einen festen Satz gibt es nicht, aber einen klaren Korridor. In einer Stichprobe von 100 Softwareprofilen auf OMR Reviews, die wir für unseren Report ausgewertet haben, lagen zwei Drittel der Preiserhöhungen zwischen 0 und 20 %, die häufigste Spanne war 10 bis 20 %. Für eine jährliche Anpassung im Bestand reden wir meist über ein paar Prozent, zweistellig ist bei Software aber keine Ausnahme.

Dieser Artikel ist für Geschäftsführung, CFO und Revenue-Verantwortliche in Softwareunternehmen. Er zeigt, was unsere Daten hergeben, warum Listenpreis und Bestand zwei verschiedene Fragen sind und wann eine kleine jährliche Erhöhung mehr bringt als ein großer Schritt alle paar Jahre.

Was die Daten zeigen

Für unseren SaaS & AI Pricing Report 2026 haben wir gemeinsam mit OMR Reviews 100 Softwareprofile ausgewertet, Stand 30. Juni 2025. Die Frage war, wie stark Anbieter ihre Preise im vorangegangenen Jahr erhöht haben, gemessen am günstigsten Paket. Unsere aktuelle Ausgabe enthält zu dieser Frage keine neue Auswertung.

Höhe der Preiserhöhung Anteil der Anbieter
0 bis 10 % 24 %
10 bis 20 % 43 %
21 bis 30 % 14 %
über 30 % 20 %

Quelle: SaaS & AI Pricing Report 2026, S. 41. Die Werte über 30 % sind vier Balken zu je 5 %.

Säulendiagramm aus dem Report: Verteilung der Preiserhöhungen, 24 % der Anbieter erhöhten um bis zu 10 %, 43 % um 10 bis 20 %, 14 % um 21 bis 30 %, je 5 % um 31 bis 70 %
Aus dem SaaS & AI Pricing Report 2026 von hy, S. 41. Report kostenlos herunterladen

Drei Dinge lese ich daraus. Erstens sind Erhöhungen bis 20 % Standard, und sie sind am leichtesten zu erklären. Zweitens gibt es Ausreißer nach oben, die wir vor allem mit klaren Produktverbesserungen, gestiegenen Kosten, einer starken Marke oder starker Bindung der Kunden erklären. Drittens geht es nicht nur nach oben: Von allen Preisänderungen waren 63 % Erhöhungen und 37 % günstigere Einstiegspreise, meist über eine überarbeitete Paketierung oder ein neues Starter-Paket.

Dazu kommt: Die Mehrheit der SaaS-Anbieter passt ihre Preise regelmäßig um rund 10 % an, oft deutlich über der Inflation. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen 2024 laut Statistischem Bundesamt im Jahresdurchschnitt um 2,2 %.

Listenpreis und Bestand sind zwei verschiedene Fragen

Die Zahlen oben beschreiben Listenpreise, also das, was ein neuer Kunde auf der Website sieht. Für eure Bestandskunden gilt eine andere Rechnung. Im Gespräch mit Boy Hengstmann habe ich es so zusammengefasst: Wenn man Preiserhöhungsprogramme jährlich macht, „dann redet man ja meistens über ein paar Prozent. Kann auch zweistellig sein, gerade im Softwarebereich.“ Bei großen Umstellungen, etwa vom Lizenz- auf ein Abomodell, geht es dagegen oft um deutlich höhere Sprünge, gerade bei Kunden, die von einem niedrigen Preis kommen.

Deshalb sind drei Fälle zu unterscheiden:

Situation Typischer Umfang Worauf es ankommt
Regelmäßige jährliche Anpassung ein paar Prozent bis knapp zweistellig Rhythmus, Vertragsklausel, kurze Begründung
Neuer Listenpreis für Neukunden meist bis 20 % Marktvergleich, Paketlogik
Aufholen nach Jahren ohne Erhöhung oft deutlich mehr, in Schritten Kundengruppen, persönliches Gespräch

Beim dritten Fall hilft es, den Bestand in Gruppen aufzuteilen und jede Gruppe eigens anzusprechen.

Jährlich klein oder selten groß

Manche Softwareunternehmen erhöhen jahrelang nicht und holen dann alles auf einmal nach. Das ist der schwierigere Weg, und er kostet Geld.

Rechenbeispiel: Ein Kunde zahlt 100.000 Euro im Jahr. Variante A: Ihr erhöht drei Jahre lang um je 5 %. Der Kunde zahlt dann 105.000, 110.250 und 115.763 Euro, zusammen 331.013 Euro. Variante B: Ihr wartet zwei Jahre und erhöht im dritten Jahr einmal um 15 %. Der Kunde zahlt 100.000, 100.000 und 115.000 Euro, zusammen 315.000 Euro. Variante A bringt über drei Jahre 16.013 Euro mehr, endet bei einem höheren Preis und verlangt dem Kunden jedes Jahr nur einen kleinen Schritt ab.

Säulendiagramm Rechenbeispiel über drei Jahre: Variante A mit jährlich 5 % ergibt 105.000, 110.250 und 115.763 Euro, Variante B mit 15 % im dritten Jahr ergibt 100.000, 100.000 und 115.000 Euro
Rechenbeispiel: Drei kleine Schritte bringen über drei Jahre 16.013 Euro mehr als ein großer.
Grafik herunterladen:QuerformatHochformat 4:5Frei nutzbar, unverändert und mit Link zur Quelle, CC BY-ND 4.0

Dazu kommt die Gewöhnung. Zoë Andreae hat erzählt, wie sie bei ihrem Amtsantritt fragte, wann die Preise der Bestandskunden zuletzt erhöht wurden: „Und dann war ganz lange Stille.“ Heute sagt sie: „Und mittlerweile ist das ein routinierter Turnus für alle Bestandskunden.“ Ein fester Rhythmus nimmt jeder einzelnen Runde das Drama.

Auch große Anbieter sind kürzer getaktet. Salesforce hat seine Listenpreise im August 2023 im Schnitt um 9 % erhöht, nach eigener Angabe die erste Erhöhung seit sieben Jahren. Zwei Jahre später, im August 2025, folgten durchschnittlich 6 % für die Enterprise- und Unlimited-Editionen mehrerer Produkte.

Und die Angst vor dem Verlust ist meist zu groß. Nach Preiserhöhungen sehen wir bei Software ganz oft eine Retention von über 90 bis 95 %.

Indexklauseln sichern nur gegen Inflation ab

Eine vertragliche Anpassung an einen Preisindex ist für Bestandskunden oft der einfachste Rahmen. Timo Müller sagt zu solchen Preisgleitklauseln: „Sind auch im Softwarebereich durchaus gang und gäbe“. Er beobachtet aber auch, dass Kunden in Verhandlungen genau diese Klauseln angreifen.

Eine Indexklausel sichert euch gegen die Inflation ab. Mehr Wert für den Kunden bildet sie nicht ab. Wenn ihr das Produkt im Jahr deutlich verbessert habt, gehört diese Verbesserung in eine eigene Begründung und eine eigene Zahl. Die Klausel ist der Boden, die Preisrunde ist die Entscheidung darüber.

Seite des Statistischen Bundesamts zu Verbraucherpreisindex und Inflationsrate mit den aktuellen Kennzahlen, der Hinweis gelb markiert, dass Verbraucherpreisindizes in Verträgen oft zur Anpassung laufender Zahlungen genutzt werden
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Inflationsrate monatlich und weist auf Verträge hin, die laufende Zahlungen an den Verbraucherpreisindex koppeln. Quelle: Statistisches Bundesamt, abgerufen am 16.10.2026

Warum die Frage gerade häufiger gestellt wird

Im SaaS & AI Pricing Report 2027 planen oder prüfen 80 % der 153 befragten Software- und KI-Anbieter eine Änderung ihres Pricings in den nächsten zwölf Monaten. Die Preiserhöhung steht unter den fünf häufigsten Maßnahmen auf Platz zwei, hinter dem Wechsel vom Preis pro Nutzer zu einem hybriden Modell. Ich merke das auch persönlich und habe es einmal so beschrieben: „da werde ich mal alle 3 Jahre von einem Unternehmen angerufen und jetzt plötzlich wird's jedes Jahr.“

Ob der bisherige Spielraum bleibt, ist offen. Im vergangenen Jahr haben wir als Hypothese formuliert, dass viele Anbieter KI-Funktionen nutzen, um bestehende Preise zu rechtfertigen und die nächste Erhöhung zu begründen. Langfristig werde das nicht reichen, weil eigenständige KI-Agenten Teile vieler Produkte deutlich günstiger erledigen. Daraus folgt für uns: Pauschale Erhöhungen von rund 10 % pro Jahr werden schwerer, Erhöhungen mit klar sichtbarem Mehrwert bleiben möglich. Das spricht dafür, KI-Funktionen mit einem eigenen Preis anzubieten, statt sie nur als Begründung für die nächste Erhöhung zu nutzen.

Was ihr am Montag tun könnt

  1. Schaut nach, wann ihr die Preise im Bestand zuletzt erhöht habt, getrennt nach Kundengruppen.
  2. Vergleicht eure Listenpreise mit dem Korridor oben: Liegt eure letzte Erhöhung unter 10 %, über 20 % oder gar nicht vor?
  3. Prüft, welche Verträge eine Klausel zur Preisanpassung haben, und auf welchen Index sie sich bezieht.
  4. Legt einen festen Monat für die jährliche Preisrunde fest und plant den Vorlauf für die Ankündigung rückwärts.
  5. Schreibt für jedes Jahr auf, welchen Mehrwert die Kunden bekommen haben. Das ist eure Begründung für die nächste Runde.

Fazit: Lieber jedes Jahr ein kleiner Schritt

Üblich sind bei SaaS Erhöhungen bis 20 %, die häufigste Spanne lag in unserer letzten Auswertung bei den Listenpreisen zwischen 10 und 20 %. Im Bestand reicht ein regelmäßiger Schritt von einigen Prozent, wenn er jedes Jahr kommt und mit dem Wert begründet ist. Wer jahrelang wartet, muss später größer springen und verliert über die Jahre trotzdem Umsatz.

Einen ersten Stand zu den Listenpreisen auf eurer Preisseite bekommt ihr in rund einer Minute mit dem kostenlosen Pricing-Audit auf pricing-friends.de. Er liest eure Preisseite live, prüft Preismodell, Paketierung, Preispunkte und Einstiegsangebot und vergibt einen Score von 0 bis 100 mit Befunden. Geprüft wird nach dem Vorgehen, das die hy Consulting Group in mehr als 600 Pricing-Projekten entwickelt hat.

Quellen