Preiserhöhung · 6 Min. Lesezeit
Preise im Vertrieb durchsetzen: Freigaben, Deal Desk, Rabattregeln
Das Wichtigste in Kürze
- Im Vertrieb wirkt eine neue Preisliste für B2B-Software erst mit festen Rabattstufen, einer Freigabematrix auf einer Seite und einer Vergütung, die den erzielten Preis belohnt.
- Im Softwarevertrieb gibt es keinen Rabatt ohne Gegenleistung. Laufzeit, Vorauszahlung, Volumen oder ein kleineres Paket stehen im Angebot, bevor jemand den Rabatt freigibt.
- In B2B-Softwareverträgen stehen Listenpreis und befristeter Rabatt offen. Steht nur der verhandelte Preis drin, hält der Kunde den Rabatt für den Preis.
- Ein Deal Desk aus Vertrieb, Finance und Pricing prüft Software-Angebote außerhalb der Freigabematrix. Häufen sich dieselben Ausnahmen, stimmt eher das Paket nicht als der Vertriebler.
Wenn ihr Software im B2B-Vertrieb verkauft, setzt ihr Preise mit vier Bausteinen durch: festen Rabattstufen, einer Freigabematrix, die regelt, wer welchen Nachlass genehmigt, einer Gegenleistung für jeden Rabatt und Anreizen für den Vertrieb, die zum Preis passen. Ein Deal Desk bündelt die Sonderfälle. Ohne diese Regeln entscheidet am Ende die Verhandlung über den Preis und nicht euer Preismodell.
Warum eine gute Preisliste nicht reicht
Eine neue Preisliste allein überzeugt noch keinen Kunden. Wer Wertsteigerung durch Pricing will, muss den Vertrieb von Anfang an mitdenken. In unserem Vorgehen ist Preisdurchsetzung deshalb ein eigener Schritt, der letzte von acht: klare Regeln für Freigaben, Sonderkonditionen und Rabatte, damit die Preislogik im B2B-Vertrieb auch umgesetzt wird.
Das wird gerade wichtiger. In der Befragung für unseren SaaS & AI Pricing Report 2027 planen oder prüfen 80 % der 153 teilnehmenden SaaS- und KI-Anbieter in den nächsten zwölf Monaten eine Änderung ihres Pricings, Preiserhöhungen stehen auf Platz zwei der geplanten Maßnahmen. Jede Erhöhung, die im Vertrieb wieder wegrabattiert wird, ist keine.
Bevor ihr Regeln baut, lohnt ein Blick darauf, wo eure Rabatte heute landen und was sie kosten. Hier geht es um die Organisation dahinter: wer freigibt, was im Vertrag steht, wer Ausnahmen prüft und wie der Vertrieb bezahlt wird.
Baustein 1: Rabattstufen und Freigabematrix
Legt für jedes Produkt einen Listenpreis, einen Zielpreis und eine Untergrenze fest. Dazwischen regelt eine Freigabematrix, wer was genehmigt. Je höher Rabatt und Vertragswert, desto höher die Stufe.
Beispiel für eine Freigabematrix (die Schwellen sind ausgedacht und müssen zu eurer Marge passen):
| Rabatt auf Listenpreis | Wer gibt frei | Bedingung |
|---|---|---|
| bis 5 % | Vertriebsmitarbeiter | Gegenleistung im Angebot dokumentiert |
| 5 bis 15 % | Vertriebsleitung | Gegenleistung plus Begründung im CRM |
| 15 bis 25 % | Deal Desk mit Finance | Margenrechnung, Laufzeit mindestens 24 Monate |
| über 25 % | Geschäftsführung | Strategischer Kunde, schriftliche Ausnahme |

Wichtiger als das Werkzeug, in dem ihr die Matrix abbildet, ist, dass sie eine Seite lang bleibt und jeder im Vertrieb sie kennt.
Ein fester Rahmen ist auch das, was die meisten Firmen wählen. Ann-Kristin Hansen, Kissan Joseph und Manfred Krafft haben dazu 222 deutsche Vertriebsorganisationen untersucht (veröffentlicht 2008). 61 % gaben ihren Vertrieblern einen festgelegten Preisrahmen, 28 % überließen den Preis ganz dem Management, und nur 11 % ließen den Vertrieb jeden Preis über den Grenzkosten setzen.
Baustein 2: Kein Rabatt ohne Gegenleistung
Ein Rabatt ist ein Tausch: längere Laufzeit, Vorauszahlung, mehr Volumen oder ein kleineres Paket gegen einen niedrigeren Preis. Matthias Schranner, früher Verhandlungsführer der Polizei, nennt das Reziprozität. Er beschreibt auch, wie es schiefgeht: Der Einkäufer sagt nur, er sei enttäuscht, und der Anbieter geht sofort fünf Prozent runter.
Für die Durchsetzung heißt das: Die Gegenleistung steht im Angebot, bevor jemand den Rabatt freigibt. Ohne sie gibt es keine Freigabe, auf keiner Stufe der Matrix.
Baustein 3: Der Listenpreis gehört in den Vertrag
Der teuerste Fehler passiert oft erst bei der Verlängerung. Robert Kaiser von Tacto hat beschrieben, wie es aussieht, wenn der Listenpreis 150.000 Euro beträgt, man auf 140.000 Euro verhandelt und am Ende nur die 140.000 Euro im Vertrag stehen. Dann ist jede spätere Preiserhöhung schwer, weil der Kunde den Rabatt für den Preis hält. Sein Rat: Listenpreis und Rabatt offen ausweisen und von Anfang an sagen, dass der Rabatt nur vorübergehend gilt.
Rechenbeispiel: Bei 140.000 statt 150.000 Euro im Vertrag und einer jährlichen Preiserhöhung von 5 % wächst der Abstand mit. Nach drei Erhöhungen zahlt der Kunde rund 162.100 statt rund 173.600 Euro im Jahr. Das sind fast 11.600 Euro weniger pro Jahr, nur weil der Listenpreis nie im Vertrag stand.

Der Listenpreis im Vertrag ist damit auch die Grundlage, um später Preise für Bestandskunden zu erhöhen.
Baustein 4: Der Deal Desk für Ausnahmen
Ein Deal Desk ist eine kleine Gruppe aus Vertrieb, Finance und Pricing, die alle Angebote außerhalb der Matrix prüft. Er rechnet die Marge, schlägt Gegenleistungen vor und entscheidet schnell. Sinnvoll wird er, sobald regelmäßig Enterprise-Deals mit individuellen Konditionen anstehen. Zwei Regeln halten ihn nützlich: eine feste Antwortzeit, damit Deals nicht liegen bleiben, und eine Liste aller Ausnahmen, die ihr jedes Quartal auswertet. Häufen sich dieselben Ausnahmen, stimmt eher das Paket als der Vertriebler nicht. Dann prüft, was ins Enterprise-Paket gehört.
Den Einkauf einplanen
Im B2B wird oft in mehreren Runden verhandelt: Fachbereich, Einkauf, manchmal noch die Geschäftsführung. Mit Stephan Chassaing de Bourdeille, der seit über 15 Jahren im Einkauf arbeitet, habe ich im Podcast darüber gesprochen. Meine Faustregel dort: in jeder Runde weniger Rabatt als in der vorherigen. Plant deshalb vorab, wie viel Spielraum ihr für welche Runde aufhebt, und lasst ihn nicht in der ersten liegen. Sein Hinweis aus Sicht des Einkaufs: Preisverhandlungen am Freitagnachmittag sind mit Vorsicht zu genießen, weil das Wochenende Druck macht. Auch Termine sind also Verhandlungsmasse.
Ich bin dabei selbst nicht immun. Im Podcast habe ich einmal erzählt, wie ein Kunde kurz vor dem Abschluss mit dem Argument Black Friday noch einen Nachlass wollte. Er bekam 7,30 Euro. Immerhin mit Gegenleistung: Er musste am Montag anfangen.
Anreize, die zum Preis passen
Regeln halten nur, wenn die Vergütung zu ihnen passt. Werden Vertriebler allein nach Umsatz oder Abschlüssen bezahlt, ist jeder Rabatt aus ihrer Sicht rational. Felix Krohn hat in Folge 21 über Veränderungen in Organisationen gesagt, die Ziele müssten zur Strategie passen, „weil das ist am Ende das, was der Mitarbeiter in der Tasche fühlt“. In der Studie von Hansen, Joseph und Krafft gaben rund 72 % der Firmen ihrem Vertrieb Preisspielraum, aber nur etwa 18 % setzten Anreize ein, die an der Bruttomarge hängen. Für den Vertrieb heißt das: Ein Teil der variablen Vergütung hängt am erzielten Preis, etwa an der durchschnittlichen Rabatthöhe oder am Anteil der Deals innerhalb der Matrix.
Was ihr am Montag tun könnt
- Rabatte der letzten zwölf Monate auswerten. Wie hoch ist der durchschnittliche Nachlass auf den Listenpreis, je Vertriebler und je Paket?
- Eine Freigabematrix auf eine Seite schreiben. Drei oder vier Stufen, jede mit Freigeber und Bedingung.
- Eine Liste erlaubter Gegenleistungen festlegen. Laufzeit, Vorauszahlung, Volumen, Paket.
- Den Vertragsstandard ändern. Listenpreis und befristeter Rabatt stehen offen im Vertrag.
- Die Vergütung prüfen. Belohnt sie Abschlüsse um jeden Preis?
Die Durchsetzung ist der letzte von acht Schritten in unserem Vorgehen. Verändert eine neue Preislogik auch Verträge und Vergütung, hilft der Blick einer spezialisierten Pricing-Beratung wie hy, keine dieser Stellen zu übersehen.
Fazit: Der Preis entsteht im Gespräch
Die beste Preisliste hilft wenig, wenn sie im Vertrieb wegverhandelt wird. Rabattstufen mit Freigaben, eine Gegenleistung für jeden Nachlass, der Listenpreis im Vertrag und eine Vergütung, die den Preis belohnt, machen aus der Preisliste den Preis, den ihr tatsächlich bekommt. Fangt mit der Auswertung eurer Rabatte an, dann seht ihr, wo es fehlt.
Wie eure Pakete von außen wirken, ohne einen Vertriebler daneben, zeigt in rund einer Minute der kostenlose Pricing-Audit auf pricing-friends.de. Er liest eure Preisseite live und bewertet Preismodell, Paketierung und Preispunkte mit einem Score von 0 bis 100. Geprüft wird nach dem Vorgehen, das die hy Consulting Group in mehr als 600 Pricing-Projekten entwickelt hat.
Quellen
- SaaS & AI Pricing Report 2027 von hy, S. 13, 84
- Ann-Kristin Hansen, Kissan Joseph, Manfred Krafft: Price Delegation in Sales Organizations: An Empirical Investigation, Business Research 1 (2008), S. 94 bis 104, open access
- Pricing Friends, Folge 17: Procurement und Pricing mit Stephan Chassaing de Bourdeille: Wie komme ich mit meinen Preisen am Einkauf vorbei?
- Pricing Friends, Folge 21: Change Management und Pricing mit Felix Krohn: Wie stelle ich sicher, dass Organisationen neue Pricing-Konzepte erfolgreich umsetzen?
- Pricing Friends, Folge 31: Verhandlungen und Pricing mit Matthias Schranner: Was kann man aus Extremverhandlungen für Preisverhandlungen lernen?
- Pricing Friends, Folge 128: Industrie-Pricing und Transformation mit Dr. Amadeus Petzke: Wie bringt man 25 Jahre Industrieexpertise und digitale DNA zusammen?
- Pricing Friends, Folge 137: Procurement Intelligence und Pricing mit Robert Kaiser: Wo findet KI im Einkauf den größten Hebel?