
Procurement Intelligence und Pricing mit Robert Kaiser: Wo findet KI im Einkauf den größten Hebel?
Fünf bis 7,5 Millionen Euro Einsparung, aus einem Einkaufsvolumen, nicht aus einem Stellenabbau. Genau diesen Hebel zeigt Robert Kaiser, Geschäftsführer bei Tacto, einer KI-gestützten Procurement-Intelligence-Plattform für die Industrie, in dieser Folge mit Host Dr. Sebastian Voigt. Am Beispiel eines Industrieunternehmens mit 500 Millionen Euro Umsatz und 250 Millionen Euro Einkaufsvolumen rechnet Kaiser vor: Zwei bis drei Prozent Einsparung im Einkauf bringen fünf bis 7,5 Millionen Euro, deutlich mehr als eine halbe Million Euro durch den Abbau von vier bis fünf Stellen. Den größten Hebel findet die KI im Long-Tail-Spend, den kleinteiligen, selten nachverhandelten Artikeln, für die im Einkauf schlicht die Zeit fehlt.
Beim eigenen Pricing verzichtet Tacto trotzdem überwiegend auf ein Erfolgshonorar. Kaisers Einwand: Der Einkauf hängt von Faktoren ab, die sich schlecht isolieren lassen, etwa Lieferkettenschocks oder Rohstoffpreis-Verfall, für die weder Tacto noch der Kunde etwas können. Deshalb bleibt der Großteil des Preises modular und planbar, nur ein kleiner Teil ist an konservativ gesetzte Einsparschwellen gekoppelt.
Robert Kaiser erzählt außerdem von dem KI-gestützten „Defender Agent", der Preiserhöhungs-Schreiben von Lieferanten automatisiert prüft und kontert, und warum er aus Tactos eigenen Pricing-Fehlern gelernt hat, Preiserhöhungen nie zu verstecken, sondern sie von Anfang an mit einzupreisen.
Über den Gast
Robert Kaiser ist seit April 2026 Geschäftsführer (Managing Director) bei Tacto. Seit seinem Einstieg im August 2021 durchlief er dort mehrere Stationen: zunächst im Bereich Business/Ops, ab November 2021 als Chief of Staff, ab März 2024 als Head of Customer Experience und ab Juni 2025 als Head of Revenue, bevor er die Geschäftsführung übernahm. Davor arbeitete er gut zwei Jahre bei der Boston Consulting Group, zunächst als Junior Associate, später als Associate. Erste berufliche Stationen führten ihn unter anderem zu PwC, KPMG und Roland Berger, außerdem war er Co-Founder von AIDLETICS, einem Start-up rund um Sport und sozialen Impact.
Transkript
Robert KaiserEs hat natürlich den Charme, dass wenn das so klappt, wie sich's beide Seiten vorstellen, dass man dann ein Win-Win erzielen kann, dann auch ja irgendwo fair ist, wenn ich 5 Millionen einspare, dass ich dann davon 1 Million bekomme. Es ist natürlich so, dass ich im Einkauf häufig Abhängigkeiten habe, die ich sehr sehr schlecht isolieren kann. Wenn's zu einer Wirtschaftskrise kommt, die alle Branchen gleichermaßen betreffen würde, dann gibt's in vielen Bereichen Verfall der Preise, wo's dann auch ungerecht wäre, wenn's irgendwo Aluminium einfach, weil's keiner mehr kauft, 50 % günstiger wird, wenn dann Tacto davon einen Löwenanteil bekommen würde.
Sebastian VoigtHallo, liebe Pricing Friends! Herzlich willkommen wieder einmal zu einer neuen Folge eures Lieblingspodcasts. Heute wollen wir mal wieder die Perspektive wechseln. Ihr kennt das, wir sprechen ja hier bei Pricing Friends fast jede Woche darüber, wie Unternehmen höhere Preise durchsetzen können, und mein heutiger Gast hilft Unternehmen dabei, bessere Preise einzukaufen. Robert Kaiser ist einer der drei Geschäftsführer von Tacto, einer der führenden Procurement-Intelligence-Plattformen, vor allem für die Industrie und für den Handel, dort auch für die Revenue Generation verantwortlich. Und mit KI, Daten, Benchmarks unterstützt Tacto Einkaufsorganisationen dabei, Millionen an Einkaufsvolumen zu optimieren. Vielleicht kann er auch High helfen, mal sehen, was wir noch hier an Leichen im Einkaufskeller haben. Und ich will mit ihm gleich darüber sprechen, wie man Software bepreist, deren Wert sich direkt in Euro messen lässt, und ob outcome-based Pricing für Procurement-Software auch dementsprechend die beste Lösung ist, und was auch Pricing-Teams von Einkaufsteams lernen können. Also, lieber Robert, herzlich willkommen bei Pricing Friends! Schön, dass du da bist!
Robert KaiserJa, vielen Dank, Sebastian! Freue mich sehr, hier zu sein.
Sebastian VoigtUnd heute haben wir mal wieder eine Remote-Aufnahme. Du bist in München, nehme ich an, bei euch im Office, ne?
Robert KaiserRichtig, genau. Wir sind im schönen München, heute jetzt auch wieder sonnig. War zwischenzeitlich nicht ganz so rosig heute, aber genau, wir sind in München, sitzen da jetzt zentral am Stiglmaierplatz, falls der ein oder andere sich in München auskennt, relativ zentral und hier mit 130 Leuten angesiedelt.
Sebastian VoigtUnd jetzt hast du wahrscheinlich einen harten Job, denn ich habe jetzt hier im Vorgespräch schon gemerkt, du bist ja VfB-Fan. Wie wie war das Pokalfinale für dich?
Robert KaiserJa gut, also harter Job als VfB-Fan kommt natürlich drauf an, wie lange man da schon Fan ist. Bei mir sind das jetzt auch schon Jahrzehnte, obwohl ich noch gar nicht so wahnsinnig alt bin, aber da ist tatsächlich gerade die Phase in meinem Leben, an die ich mich erinnern kann, die eigentlich am meisten Spaß macht. Da kann man auch so ein verlorenes Pokalfinale ja mal ganz gut verkraften, wenn man aus der Zweiten Liga kommt und irgendwie noch Relegation gespielt hat vor, wie viel sind's, drei oder vier Jahren, da bin ich unterm Strich sehr sehr happy aktuell.
Sebastian VoigtAlso interne Dokumente, die uns hier vertraulich zugespielt wurden, haben dich auch schon mal in einem Bayerntrikot mit Mia-san-mia-Schriftzug gezeigt, also
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