
Dynamische Stromtarife und Pricing mit Jan Rabe: Wie wird aus einem Stromtarif ein Profit-Share-Modell
Inzwischen sind in Deutschland negative Strompreise bei jeder zehnten Stunde Realität. Wie sich daraus ein Pricing-Modell bauen lässt, das wahrscheinlich deutschlandweit einzigartig ist, erklärt Co-Founder und CEO Jan Rabe im Gespräch mit Dr. Sebastian Voigt. Rabot Energy gibt die eingekauften Strompreise eins zu eins an seine Kunden weiter, statt wie klassische Versorger eine Marge und Risikoprämie in einen Fixpreis einzupreisen. Verdient wird über eine transparente Servicegebühr von 1,5 Cent pro Kilowattstunde und, bei aktiver Optimierung von Batteriespeichern oder E-Autos, über einen 20 Prozent Profit Share auf die erzielten Handelsgewinne.
Konkret heißt das: Erzielt die Optimierung 500 Euro Handelserlös, gehen 400 Euro an den Kunden und 100 Euro an Rabot Energy. Mit rund 200.000 Kunden und einem neuen Plug-and-Play-Heimspeicher, der sich in drei bis vier Jahren amortisiert, zeigt die Folge, wie Pricing hier direkt zum Produkt wird.
Über den Gast
Jan Rabe ist seit Juni 2021 Co-Founder und CEO von Rabot Energy in München. Bereits seit Februar 2014 führt er parallel das Beratungs- und Handelsgeschäft Rabot Energy Trading and Consulting für Energieversorger, seit Februar 2016 ist er zudem Co-Founder von Wechselpilot. Davor war er Senior Portfoliomanager bei der Kom-Solution GmbH und Analyst für Energy Trading im Pricing bei der BKW FMB Energie AG in Bern. Rabe hat Physik an der LMU München studiert.
Transkript
Jan Rabean der Strombörse die Preise sehr stark schwanken. Aktuell stehen wir tatsächlich bei 0 Cent, das heißt, Strom ist aktuell kostenlos. Das hat damit zu tun, dass wir gerade extrem viel Solareinspeisung haben. Und immer dann, wenn sehr viel erneuerbare Produktion auf geringere Nachfrage trifft, dann ist es eben so, dass dann Strom quasi heutzutage schon umsonst ist.
Sebastian VoigtHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt. Hallo, liebe Pricing Friends! Heute haben wir hier in Berlin einen wunderschönen Sommertag. Die Sonne scheint, ein leichter Wind weht, und genau das bedeutet auch, dass die erneuerbaren Energien gerade besonders viel günstigen Strom liefern. Das Spannende daran ist, wenn Angebot und Nachfrage beim Strommarkt nicht zusammenpassen, dann können die Strompreise ganz schnell mal auch innerhalb weniger Stunden in den Keller gehen, werden sogar negativ, wie wir gleich lernen werden. Und ich glaube, für die meisten von uns bleibt das komplett unsichtbar, weil sie wie ich einen klassischen Festpreistarif haben, bei mir von Vattenfall. Deswegen, wir reden heute mal über dynamische Stromtarife. Wer die nutzt, der kann von diesen Preisschwankungen profitieren, das E-Auto oder die Wärmepumpe dann automatisch dann Strom beziehen lassen, wenn es besonders günstig ist. Und mein heutiger Gast, der kennt diesen Markt wie kaum ein anderer. Jan Rabe ist Gründer und CEO von Rabot Energy. Und mit seinem Unternehmen bringt er die Dynamik des Strommarktes direkt zu den Endkunden, zeigt, wie intelligentes Pricing dabei hilft, Energiekosten zu senken und gleichzeitig auch natürlich die Energiewende voranzubringen. Also, wir reden heute über dynamische Strompreise. Jan wird uns erklären, wie das funktioniert, was negative Preise sind und weswegen Pricing zukünftig im Hause ganz automatisch für uns arbeiten wird. Hallo Jan, schön, dass du da bist!
Jan RabeFreue mich, hier zu sein.
Sebastian VoigtDann sag doch mal jetzt hier bei 26 Grad und Sonnenschein: Wie steht gerade die Kilowattstunde?
Jan RabeGenau. Also es ist so, dass, wie du schon gesagt hast, an der Strombörse die Preise sehr stark schwanken. Aktuell stehen wir tatsächlich bei 0 Cent, das heißt, Strom ist aktuell kostenlos. Das hat damit zu tun, dass wir gerade extrem viel Solareinspeisung haben. Und immer dann, wenn sozusagen sehr viel Produktion, erneuerbare Produktion, auf geringere Nachfrage trifft, dann ist es eben so, dass dann Strom quasi heutzutage schon umsonst ist. Es gibt aber auch andere Zeiten, wo Strom teuer ist, wo eben die Erneuerbaren nicht scheinen. Und das ist genau das, was wir mit Rabot Energy machen, dass wir uns darum kümmern, dass das für Kunden nutzbar gemacht wird.
Sebastian VoigtOkay, das müssen wir gleich mal sprechen. Das klingt ja hier wie wie Fed-Zinsen 2023, glaube ich, war es, als die plötzlich negativ waren und wir dann plötzlich Einlagenzinsen zahlen sollten auf auf Girokonten und Co. Aber erzähl doch mal, ist das jetzt häufig, oder ist das jetzt nur bei besonderer Sonneneinstrahlung der Fall?
Jan RabeEs ist tatsächlich mittlerweile relativ häufig. Also wir haben im Durchschnitt ungefähr 60 % Anteil erneuerbare Energien. Und immer wenn dieser Anteil auf Niveaus von über 90 % springt innerhalb einer Stunde, dann dann sind die Preise eben bei null oder negativ. Und diese Preisniveau hat man ungefähr in 10 % der Stunden. Das heißt, jede zehnte Stunde ist normalerweise im negativen Bereich.
Sebastian VoigtDas heißt, die Nächte fallen sowieso raus, weil kein Solarstrom?
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