
Kleinanzeigen und Pricing mit Jasmin Hakenmüller: Was macht Pricing im Two-Sided Marketplace so einzigartig?
Diese Folge klingt anders, denn zum allerersten Mal bei Pricing Friends geben wir das Mikrofon des Hosts ab. Statt Sebastian sitzt heute Anne Ringbeck am Mikro, SVP Pricing & Sales bei hy. Das ist kein Zufall, denn ihre Wege haben sich mit unserer Gästin dieser Folge, Jasmin Hakenmüller, schon mehrfach beruflich gekreuzt. Bei Simon-Kucher, bei Axel Springer und bei der AVIV Group haben die beiden immer wieder an denselben Stationen gearbeitet, teils sogar gemeinsam an denselben Pricing-Projekten. Heute ist Jasmin Pricing Lead bei Kleinanzeigen und zeigt uns an einem einzigartigen Beispiel, was Pricing auf einem Two-Sided Marketplace so besonders macht.
Rund 32 Millionen Menschen nutzen Kleinanzeigen jeden Monat. Die Basisnutzung ist kostenlos, und trotzdem macht die Plattform schätzungsweise mehrere hundert Millionen Euro Umsatz. Wie das funktioniert, erklärt Jasmin in dieser Folge. Man bepreist nie eine Seite isoliert, denn jede Preisentscheidung wirkt automatisch auch auf die andere Marktseite. Wie das konkret aussieht, zeigt sich an der neuen modularen Pro-Paketstruktur für gewerbliche Anbieter, die Kleinanzeigen im Mai eingeführt hat. Sie differenziert Preise erstmals nach fünf Kategorien, von Waren über Fahrzeuge bis zu Jobs. Und es geht noch weiter, bis zu der Frage, wie viel Entscheidungsmacht KI beim Pricing überhaupt haben sollte.
Über den Gast
Jasmin Hakenmüller ist Pricing Lead bei Kleinanzeigen und baut dort die Pricing-Funktion neu auf. Nach ihrem Studium in Mannheim startete sie ins Consulting bei Simon-Kucher & Partners, wo sie ihr Pricing-Handwerkszeug lernte. Anne Ringbeck holte sie anschließend zu Axel Springer, wo beide gemeinsam Pricing-Projekte im Inhouse-Consulting umsetzten, bevor sie zusammen zur AVIV Group wechselten. Dort durchlief Jasmin mehrere Pricing- und Monetization-Rollen und stieg zuletzt zum Head of Pricing Europe auf. Damit war sie verantwortlich für die länderübergreifende Pricing-Strategie der AVIV-Marken in mehreren europäischen Märkten.
Transkript
Jasmin HakenmüllerWas für das Flywheel grundsätzlich wichtig ist, bleibt kostenlos. Also grundlegender Zugang, grundlegendes Inserieren im gewissen Maße zumindest, grundlegender Handel über die Nachrichten und so weiter. Also nichts bepreisen, was Angebot austrocknet oder Erstnutzer abschreckt. Und kostenpflichtig, wie du gerade gesagt hast, kann alles werden, was Zusatznutzen bereitstellt.
Sebastian VoigtHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt.
Anne RingbeckHallo, liebe Pricing Friends, und schön, dass ihr wieder dabei seid. Und ihr hört richtig, heute klingt es ja irgendwie anders am Mikro. Ich bin Anne Ringbeck und ich freue mich, heute moderieren zu dürfen. Vor ein paar Wochen war ich selber noch Gast hier bei Sebastian und ja, heute sprechen wir mal über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, und deshalb darf ich das Mikro übernehmen. Rund 32 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Kleinanzeigen jeden Monat und über 50 Millionen Anzeigen sind live. Pro Minute kommen mehr als 700 neue dazu und mehr als 1.200 Anfragen werden verschickt. Vermutlich habt auch ihr gerade eine Anzeige live oder verhandelt im Chat mit dem potenziellen Käufer über den letzten Preis und wann der gebrauchte Stuhl denn abgeholt werden soll. Man findet nicht nur Produkte zum Kauf auf Kleinanzeigen, sondern auch viele Dienstleistungen. So haben mein Mann und ich z.B. auch die sehr geschätzte Nanny unseres Sohnes dort gefunden, können es also wirklich wärmstens empfehlen. Das Spannende dabei: Die Nutzung ist kostenlos und trotzdem macht die Plattform mehrere hundert Millionen Euro Umsatz im Jahr. Wie das funktioniert und wie man Preise setzt auf einem Marktplatz mit zwei Kundenseiten, darüber spreche ich heute mit der Frau, die genau das verantwortet: Jasmin Hakenmüller, Pricing Lead bei Kleinanzeigen. Herzlich willkommen, Jasmin!
Jasmin HakenmüllerHallo und vielen Dank, dass ich heute hier sein darf.
Anne RingbeckBevor es losgeht, die Frage, mit der auch ich hier vor ein paar Wochen begrüßt wurde: Wann hast du denn das letzte Mal was auf Kleinanzeigen gekauft?
Jasmin HakenmüllerNaja, man könnte fast sagen, dass ich schon Power-Verkäuferin bin mit über 150 Anzeigen in den letzten drei Jahren. Wenn man das ausrechnet, dann sind das im Durchschnitt immerhin fast eine Anzeige pro Woche. Und tatsächlich mein letzter Verkauf war ein altes Lego-Set aus meiner Kindheit, Lego Rock Raiders Headquarters, und zwar vollständig erhalten und im guten Zustand. Das ist für 80 € weggegangen an einen Herren in Passau. Grüße gehen raus an dieser Stelle.
Anne RingbeckJa, Wahnsinn! Also, wenn ich an meine Lego-Sets denke, weiß ich nicht, ob davon noch irgendwas vollständig ist. Chapeau, dass du da so ein Investment-Case draus machst. Ja, Jasmin, wir kennen uns ja schon länger. Wir haben zusammen bei Simon-Kucher gearbeitet, dann noch später bei Axel Springer Pricing-Projekte gemeinsam gemacht. Danach bist du in die AVIV Group gewechselt, jetzt Kleinanzeigen. Wie bist du dazu gekommen?
Jasmin HakenmüllerNa ja, nach meinem Studium in Mannheim habe ich mich ganz klassischerweise fürs Consulting entschieden und bin bei Simon-Kucher gelandet. Dort war ich dreieinhalb Jahre Consultant, habe also mein Handwerkszeug dort im Pricing gelernt. Dann hast du mich nach Berlin geholt zu Axel Springer und wir haben gemeinsam Pricing-Projekte und Inhouse-Consulting gemacht und sind auch gemeinsam zur AVIV Group gewechselt. Das heißt, man könnte also sagen, du bist etwas schuld daran, dass ich im Classifieds-Bereich gelandet bin. Ich war dann zunächst Teamlead Pricing bei Immowelt und habe mich dann hochgearbeitet zum Head of Pricing Europe bei der AVIV Group. Das heißt, ich habe das internationale Pricing-Team verantwortet und die länderübergreifende Pricing-Strategie für die Marken der AVIV in Deutschland, Frankreich und in Belgien. Und jetzt, seit September letzten Jahres, habe ich eine neue Herausforderung bei Kleinanzeigen. Ich bin Pricing Lead und habe eine spannende neue Aufgabe, die Pricing-Funktion dort aufzubauen.
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