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Paketierung · 7 Min. Lesezeit

Enterprise-Paket: was in „auf Anfrage“ gehört und wie man es bepreist

Partner und Co-CEO, hy

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ins Enterprise-Paket einer B2B-Software gehört, was große Kunden anders brauchen: Volumen, Sicherheit, Integrationen, Service und Vertrag. Was auch Mittelständler brauchen, bleibt im Listenpaket.
  • Der Enterprise-Preis einer B2B-Software baut auf dem größten Listenpaket auf, mit festen Regeln für Mengenstaffel, Laufzeit und Preisanpassung. Dann ist „auf Anfrage“ keine Verhandlungssache.
  • Enterprise-Leistungen einer Software wie Single Sign-on brauchen einen eigenen Preis. Werden sie verschenkt, sinkt der Preis mit jedem Deal weiter.
  • Beim Enterprise-Paket einer B2B-Software klärt der Vertrieb zuerst Nutzerzahl, heutige Lösung und Budget, dann nennt er eine Preisspanne. Der erste genannte Betrag wird zum Anker.

Wenn ihr B2B-Software mit festen Paketen verkauft und daneben ein Enterprise-Paket „auf Anfrage“ anbietet, gehört dort hinein, was sich von Kunde zu Kunde unterscheidet. Das sind Volumen und Laufzeit, Sicherheit und Datenschutz, Integrationen, Service und Vertragsbedingungen. Den Preis baut ihr vom größten Listenpaket aus auf. Für Mengenrabatte, Laufzeit und Preisanpassung gelten feste Regeln. „Auf Anfrage“ heißt dann, dass die Summe im Gespräch entsteht, die Logik dahinter aber feststeht.

Warum Enterprise fast immer auf Anfrage steht

Für unseren SaaS & AI Pricing Report 2026 haben wir 4.197 Softwareprofile auf OMR Reviews ausgewertet. 46 % zeigen ihre Preise vollständig, 38 % teilweise und 16 % nur auf Anfrage. Wer nur einen Teil zeigt, versteckt fast immer dasselbe. In Folge 99 habe ich es so gesagt: „Und ganz klar ist: Die Enterprise-Pakete sind eigentlich immer versteckt.“ Typisch sind feste Preise pro Nutzer für die kleineren Pakete und daneben Enterprise auf Anfrage.

Kreisdiagramm aus dem Report: 46 % der Softwareprofile auf OMR Reviews zeigen ihre Preise vollständig, 38 % teilweise, 16 % nur auf Anfrage
Aus dem SaaS & AI Pricing Report 2026 von hy, S. 43. Report kostenlos herunterladen

Wo die Grenze liegt, hat Marvin Müller von OMR Reviews beschrieben. Unter einem Jahresvertragswert von etwa 10.000 Euro buchen Kunden meist selbst. Die Preise sind dort sehr transparent. Ab etwa 25.000 Euro „da dominiert schon das Thema Preis auf Anfrage ganz klar“. Über 100.000 Euro gibt es nach seinem Eindruck kein einziges Beispiel mit offenem Preis.

Preisseite von awork mit den Paketen Basic für 5 Euro, Standard für 11 Euro und Professional für 19 Euro pro User und Monat, daneben das gelb markierte Paket Enterprise ohne Preis mit Kontakt aufnehmen und dem Hinweis Empfohlen für 100+ User
awork zeigt Preise für die kleineren Pakete und das Enterprise-Paket auf Anfrage. Screenshot: awork.com/de/preise, abgerufen am 16.10.2026

Das hat gute Gründe. Bei großen Kunden hängt der Preis an Volumen, Laufzeit und Anforderungen, die vorher niemand kennt. Für kleinere Kunden gilt das nicht. Im SMB-Bereich, grob alles bis 200 Seats, sollte es aus meiner Sicht Standard sein, Pakete klar zu bepreisen. Das Enterprise-Paket ist für die Kunden darüber da.

Was ins Enterprise-Paket gehört

Im Enterprise-Paket sammeln sich die Dinge, die große Kunden anders brauchen. Mehr Funktionen als im Best-Paket sind dafür selten der Grund. Yanek Brinkmann von ElevenLabs hat erklärt, warum sein Unternehmen eigene Pläne für Großkunden hat. Diese Kunden brauchen zusätzliche Arbeit im Hintergrund, „also wie z.B. Sicherheit, Compliance, Guardrails, DSGVO-konform, Möglichkeit in Europa zu hosten etc.“ Dafür investiert das Unternehmen in eigene Teams und Customer Success Manager.

Preisseite von ElevenLabs mit den Paketen Scale für 299 und Business für 990 US-Dollar im Monat und dem Paket Enterprise mit Custom pricing, dessen Leistungen zu Vertrag, Datenschutz und Single Sign-on gelb markiert sind
ElevenLabs beschreibt im Enterprise-Paket vor allem Vertrag, Sicherheit und Mengenrabatte, keinen Preis. Screenshot: elevenlabs.io/pricing, abgerufen am 16.10.2026
Baustein Warum er je Kunde verschieden ist Beispiele
Volumen Nutzerzahl und Nutzung streuen stark Staffelpreise, Kontingente, Mindestabnahme
Sicherheit und Datenschutz Einkauf und IT prüfen je nach Branche anders Single Sign-on, Rollen und Rechte, Audit-Logs, Vertrag zur Auftragsverarbeitung, Hosting in der EU
Integrationen Systemlandschaften sind verschieden Anbindung an ERP oder CRM, API-Limits, eigene Schnittstellen
Service Erwartungen an Erreichbarkeit unterscheiden sich Service Level Agreement, fester Ansprechpartner, Schulungen
Einführung Aufwand hängt vom Kunden ab Implementierung, Datenmigration, Projektbegleitung
Vertrag Einkauf verhandelt Laufzeit und Konditionen Mehrjahresvertrag, Zahlungsziel, Regel zur Preisanpassung

Eigene Zusammenstellung, Beispiele aus Folge 120 und SaaS & AI Pricing Report 2027, S. 40 und S. 59.

Was nicht hineingehört: Funktionen, die auch mittelgroße Kunden brauchen. Wandern sie ins Enterprise-Paket, verliert euer größtes Listenpaket seinen Wert als Anker. Mittelgroße Kunden landen dann im Gespräch mit dem Vertrieb, obwohl sie lieber selbst gekauft hätten. Funktionen mit hohem Nutzen für eine kleine Gruppe gehören eher in ein eigenes Add-on.

So entsteht der Enterprise-Preis

Der Ausgangspunkt ist das größte Paket mit Listenpreis. Darauf kommen ein Mengenrabatt und ein Preis für die Enterprise-Leistungen. Dazu kommen ein Laufzeitrabatt und eine einmalige Gebühr für die Einführung. Unser SaaS & AI Pricing Report 2027 beschreibt Bausteine aus nutzungs- und ergebnisbasierten Modellen, die sich auch für Enterprise-Verträge eignen: eine fest zugesagte Abnahmemenge mit Rabatt und teureren Einheiten darüber, eine Mindestabnahme statt Grundgebühr oder ein Kostendeckel für den Kunden, Vorauskauf mit bis zu 20 % Rabatt und eine gedeckelte Preiserhöhung bei der Verlängerung.

Wie eine Mindestabnahme im großen Maßstab aussieht, zeigt Snowflake. Laut Geschäftsbericht schließen die Kunden meist Kapazitätsverträge mit ein bis vier Jahren Laufzeit oder zahlen ohne Zusage monatlich nach Verbrauch. Bei den meisten Kunden steigt der Verbrauch über die Laufzeit und liegt oft über der zugesagten Menge. Dann kaufen sie Kapazität nach oder verlängern vorzeitig.

Rechenbeispiel: Ein Kunde will 400 Nutzer. Das größte Listenpaket kostet 39 Euro pro Nutzer und Monat.

Baustein Regel Betrag pro Jahr
Listenpreis 400 × 39 € × 12 187.200 €
Mengenstaffel 1 bis 100 Nutzer 39 €, 101 bis 300 Nutzer 33 €, ab 301 Nutzer 29 € 160.800 €
Enterprise-Leistungen Plattformgebühr für Single Sign-on, SLA, festen Ansprechpartner 12.000 €
Zwischensumme 172.800 €
Laufzeitrabatt 5 % bei drei Jahren Laufzeit 164.160 €
Einführung einmalig, nicht rabattfähig 15.000 € im ersten Jahr
Preisanpassung höchstens 5 % pro Jahr ab dem zweiten Jahr im Vertrag
Säulendiagramm: Listenpreis 187.200 Euro im Jahr, nach Mengenstaffel 160.800 Euro, mit Enterprise-Leistungen 172.800 Euro, nach Laufzeitrabatt 164.160 Euro
Rechenbeispiel: Jede Stufe folgt einer festen Regel, am Ende liegt der Preis gut 12 % unter Liste.
Grafik herunterladen:QuerformatHochformat 4:5Frei nutzbar, unverändert und mit Link zur Quelle, CC BY-ND 4.0

Der Kunde zahlt am Ende ohne die Einführung 34,20 Euro pro Nutzer und Monat, gut 12 % unter Liste. Jede Stufe folgt einer Regel, die euer Vertrieb kennt und die für alle Kunden gilt. Das ist der Unterschied zwischen „auf Anfrage“ und „Verhandlungssache“.

Zwei Grenzen gehören fest in die Regeln. Der Enterprise-Preis pro Nutzer darf unter dem Listenpreis liegen, aber nur so weit, wie die Staffel es vorsieht. Und die Leistungen, die nur Enterprise-Kunden bekommen, haben einen eigenen Preis. Werden sie verschenkt, sinkt der Preis bei jedem Deal ein Stück weiter. Der Abstand zum Listenpaket wird dann zufällig.

Den Preis im ersten Gespräch nennen

Im ersten Gespräch hat der Vertrieb oft noch keine Grundlage für eine Zahl. Trotzdem legt der erste Betrag, der fällt, alles Weitere fest. Ich habe es in derselben Folge so beschrieben: „Und wenn es komplett individuell ist, dann will ich mich ja nicht verschätzen, weil von dem Anker komme ich ja nicht mehr weg.“ Wer zu hoch einsteigt, fliegt aus der Auswahl. Wer zu niedrig einsteigt, kommt nicht mehr hoch.

Ich würde deshalb zuerst die typischen zwei, drei Fragen stellen: Wie viele Nutzer sind es? Welche Lösung nutzt ihr heute? Gibt es ein Budget? Danach nennt der Vertrieb eine Spanne statt einer genauen Zahl. Im ersten Gespräch fällt ohnehin keine Entscheidung, es geht darum, im Rennen zu bleiben. Mit der Rechnung oben im Kopf lässt sich diese Spanne begründen.

Was trotzdem auf die Preisseite gehört

Auch mit „auf Anfrage“ kann eure Preisseite viel sagen. Beschreibt, was im Enterprise-Paket steckt, und nennt, wovon der Preis abhängt: Nutzer, Volumen, Laufzeit, Einführung. Wir erwarten, dass auch Enterprise-SaaS Preise, Preismetriken, Einstiegspreise und Paketlogik maschinenlesbar veröffentlicht. Das zählt auch in der KI-Suche, denn wer keinen Preis nennt, lässt ihn von anderen nennen.

Was ihr am Montag tun könnt

  1. Inhalt prüfen. Steht im Enterprise-Paket etwas, das auch mittelgroße Kunden brauchen? Dann gehört es ins größte Listenpaket.
  2. Staffel festlegen. Mengenrabatte nach Nutzerzahl oder Volumen, schriftlich und für alle gleich.
  3. Enterprise-Leistungen bepreisen. Sicherheit, Service und Integrationen als eigener Baustein.
  4. Vertragsregeln klären. Laufzeitrabatt, Mindestabnahme und eine Obergrenze für Preiserhöhungen bei der Verlängerung.
  5. Freigaben regeln. Wer darf wie weit von der Staffel abweichen? Dafür braucht der Vertrieb klare Freigabestufen.

Die Punkte zwei bis fünf gehören in unserem Vorgehen zur Preisdifferenzierung und zur Preisdurchsetzung, den Schritten sieben und acht von acht. Sie entscheiden, ob die Preislogik am Ende im Vertrieb ankommt.

Fazit: Auf Anfrage heißt mit Regeln

Ins Enterprise-Paket gehört, was große Kunden anders brauchen: Volumen, Sicherheit, Integrationen, Service und Vertrag. Der Preis entsteht aus dem größten Listenpaket und festen Regeln für Staffel, Leistungen, Laufzeit und Preisanpassung. So bleibt jeder Enterprise-Deal individuell. Trotzdem liegt jeder Preis in einem Rahmen, den ihr verteidigen könnt.

Wie eure Preisseite das Enterprise-Paket heute darstellt, seht ihr in rund einer Minute im kostenlosen Pricing-Audit auf pricing-friends.de. Er liest eure Preisseite live, prüft Preismodell, Paketierung, Preispunkte und Einstiegsangebot und vergibt einen Score von 0 bis 100 mit Befunden. Geprüft wird nach dem Vorgehen, das die hy Consulting Group in mehr als 600 Pricing-Projekten entwickelt hat.

Quellen