KI-Pricing · 7 Min. Lesezeit
Credits als Preismodell: wann sie funktionieren, wann sie verwirren
Das Wichtigste in Kürze
- Credits passen zu Software, die Leistungen mit sehr unterschiedlichen Kosten bündelt, etwa Text, Bild, Video. Bei nur einer Leistung ist ein Preis pro Vorgang klarer.
- Bei Software mit Credits muss der Kunde vor jeder Aktion sehen, wie viele Credits sie kostet. Eine Reichweitentabelle übersetzt Credits in Arbeit.
- Credits für Software gehören in ein planbares Budget mit Kostenobergrenze. Überraschende Rechnungen und unbemerkt verfallene Credits drücken den nächsten Kauf.
- Laut SaaS & AI Pricing Report von hy rechnen nur 5 % der Software- und KI-Anbieter KI über Credits oder Verbrauch ab.
Credits sind eine eigene Währung, die euer Kunde im Abo bekommt oder vorab kauft und mit der er unterschiedliche Leistungen eures Produkts bezahlt. Sie funktionieren für Softwareanbieter, deren KI-Funktionen sehr unterschiedlich viel kosten, etwa Text, Bild und Video in einem Produkt. Voraussetzung ist, dass der Kunde vor dem Kauf sieht, wie weit seine Credits reichen. Sie verwirren, wenn der Kunde erst auf der Rechnung erfährt, was eine Aktion gekostet hat.
Wozu Credits gut sind
Credits sind die Brücke zwischen euren technischen Kosten und einer Einheit, die der Kunde sieht. Im Beispiel unseres SaaS & AI Pricing Report 2027 kostet eine Textantwort etwa 0,2 Cent, ein Bild etwa 2 Cent, eine Minute Audio etwa 5 Cent und eine Sekunde Video etwa 10 Cent. Daraus werden ein, zehn, 25 und 50 Credits. Der Kunde sieht ein Konto mit zum Beispiel 500 Credits im Monat. Ihr bildet darunter Kosten ab, die sich um den Faktor 50 unterscheiden.

Das Modell hat drei Vorteile: Ihr deckt eure KI-Kosten und schützt die Marge, der Einstieg wird für den Kunden günstiger, und mit wachsender Nutzung wächst der Umsatz. Noch ist es selten. Von den 153 SaaS- und KI-Unternehmen, die wir für den Report befragt haben, monetarisieren 5 % KI heute über Credits oder Verbrauch, 50 % packen sie ins Kernprodukt. Als künftige Hauptmetrik gewinnen Credits und Tokens aber 14 Prozentpunkte.
Die Schwäche benennt meine Kollegin Mariella Knospe in Folge 142: „auch Credits ist 'ne abstrakte Währung“. Das Problem liegt deshalb beim Kunden: Technisch ist die Umsetzung einfach, aber die Verständlichkeit leidet.
Wann Credits funktionieren
- Euer Produkt hat mehrere Leistungen mit sehr unterschiedlichen Kosten. Wer nur eine Leistung verkauft, braucht keine Zwischenwährung. Dann ist ein Preis pro Vorgang verständlicher.
- Die Credits stecken in einem planbaren Budget. Chaos bündelt seine verbrauchsbasierten Credits in feste Jahresabos mit monatlichen oder jährlichen Kontingenten. Der Kunde bekommt so einen planbaren Budgetrahmen und nutzt KI trotzdem nach Bedarf. Figma gibt jeder Lizenz monatliche Credits mit, die im Team geteilt werden.

- Der Kunde sieht vor der Aktion, was sie kostet. Lindy staffelt den Verbrauch nach Aufgabe: zwei bis 250 Credits für einfache Anfragen, 250 bis 1.000 für tiefere Arbeit, 1.000 bis 2.500 für große Aufträge. Wird das Limit erreicht, pausiert der Agent. Microsoft bleibt bei Copilot Studio bei einer einzigen Credit-Einheit und gewichtet nach Art der Arbeit: Eine generative Antwort kostet zwei Credits, eine Agenten-Aktion fünf.


- Fremdkosten werden getrennt. Clay rechnet mit zwei Währungen: Action Credits für Workflows, Prompts und Datenverarbeitung, Data Credits für Daten externer Anbieter. Das schützt die Marge und macht rechenintensive Workflows für den Kunden planbar.

Wann Credits verwirren
Wenn der Verbrauch nicht vorhersagbar ist. Ein Credit allein sagt dem Kunden nicht, ob er am Monatsende 3.000 oder 10.000 verbraucht hat, wie Mariella Knospe anmerkt. Schwer vorhersehbare Nutzung und schwankende KI-Kosten sind die Hürde für Credit-Modelle.
Wenn Nutzer Credits sparen statt arbeiten. Nutzer zögern dann, überhaupt etwas einzugeben, um keine Credits zu verschwenden. Für ein Produkt, das von täglicher Nutzung lebt, ist das der falsche Anreiz. Der Investor Bessemer Venture Partners beschreibt in seinem Playbook zur KI-Bepreisung genau diesen Fall: Leena AI rechnete anfangs nach Verbrauch ab, die Kunden wurden bei der Nutzung vorsichtig, und erst mit einem ergebnisbasierten Modell wuchs der Umsatz schneller.
Wenn die Rechnung überrascht. Variable Kosten ohne Obergrenze kann der Kunde nicht budgetieren. Wer einmal eine unerwartet hohe Rechnung bekommen hat, fragt sich beim nächsten Einkauf, ob er das Risiko noch einmal eingeht. Eine Kostenobergrenze, ab der ihr weiterliefert, ohne zu berechnen, nimmt ihm diese Sorge.
Wenn Credits verfallen, ohne dass es jemand merkt. Vorab gekaufte Credits verfallen oft nach einer Frist. Das sichert euch Umsatz, aber nur einmal. Wer ungenutzte Credits abschreiben muss, kauft beim nächsten Mal weniger. Snowflake löst das laut seinem Geschäftsbericht anders: Bleibt ein Kunde unter seiner zugesagten Menge, kann er die ungenutzte Kapazität oft in spätere Perioden übertragen, in der Regel beim Kauf weiterer Kapazität. Der Rest verfällt also nicht, er wird Teil des nächsten Auftrags.
Rechenbeispiel: die Reichweitentabelle
Die wirksamste Gegenmaßnahme gegen Verwirrung ist eine Tabelle auf der Preisseite, die Credits in Arbeit übersetzt. Mit den Gewichten von oben sieht sie für ein Paket mit 500 Credits im Monat so aus:
| Leistung | Credits pro Einheit | Mit 500 Credits im Monat |
|---|---|---|
| Textantwort | 1 | 500 Antworten |
| Bild | 10 | 50 Bilder |
| Minute Audio | 25 | 20 Minuten |
| Sekunde Video | 50 | 10 Sekunden |
Dazu gehört ein Nachkaufpreis, der Festlegung belohnt. Rechenbeispiel: Einzeln kosten 1.000 Credits 15 €. Wer sich für ein Jahr auf 10.000 Credits im Monat festlegt, zahlt 12 € pro 1.000, also 20 % weniger. Dieses Muster empfehle ich andauernd: Wer seine Nutzung kennt und sich festlegt, bekommt den Rabatt, wer spontan nachkauft, nicht. Die Preise sind ausgedacht, die Gewichte stammen aus dem Report.
Meine Hypothese: Credits sind eine Zwischenstufe
Ich habe eine harte Hypothese, dass sich das Token-Pricing so entwickeln wird wie das Telekommunikations-Pricing der letzten 30 Jahre. Bei Ortsgesprächen zahlte man früher pro Anruf. Dann kam die Acht-Minuten-Einheit, dann die Minute, dann Minutenpakete im Handyzeitalter, dann SMS und Daten, und am Ende die Flatrate. Wenn das stimmt, stehen Credits heute ungefähr bei den Minutenpaketen. Mariella Knospe sieht es ähnlich: Je mehr Klarheit über Nutzung, Preise und Kosten entsteht, desto attraktiver werden Inklusiv-Modelle mit einer festen Menge.
Für euch heißt das: Baut euer Credit-Modell so, dass ihr später das Kontingent vergrößern könnt, ohne die Einheit zu wechseln. Wer heute fünf Credit-Arten einführt, muss morgen fünf Preise umstellen.
Credits lassen sich auch mit einer festen Grundgebühr kombinieren. Ob sie überhaupt zu eurem KI-Angebot passen oder ein Preis pro Task oder Ergebnis, entscheidet sich an vier Fragen in fester Reihenfolge. In unserem Vorgehen ist das die Frage nach Abrechnungsmodell und Preismetrik.
Fazit: Credits brauchen eine Übersetzung in Arbeit
Credits funktionieren, wenn sie sehr unterschiedliche Kosten in eine Einheit bündeln, in einem planbaren Budget stecken und der Kunde vor jeder Aktion sieht, was sie kostet. Sie verwirren, wenn der Kunde den Verbrauch nicht vorhersagen kann oder von der Rechnung überrascht wird. Eine Reichweitentabelle auf der Preisseite und ein Rabatt für Festlegung lösen die meisten dieser Probleme.
Wie eure Preisseite Preismodell, Pakete und Preispunkte heute zeigt, seht ihr in rund einer Minute mit dem kostenlosen Pricing-Audit auf pricing-friends.de. Er liest eure Preisseite live, vergibt einen Score von 0 bis 100 und nennt die wichtigsten Befunde. Geprüft wird nach dem Vorgehen, das die hy Consulting Group in mehr als 600 Pricing-Projekten entwickelt hat.
Quellen
- SaaS & AI Pricing Report 2027 von hy, S. 21, 32, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 49, 51, 59
- Pricing Friends, Folge 142: SaaS- und AI-Pricing mit Mariella Knospe und Felix Rahlmeyer: Wie bepreist man Software und AI im Jahr 2027?
- Pricing Friends, Folge 147: AI Value Creation im Private Equity: Wie wird aus KI-Effizienz echter Umsatz?
- Bessemer Venture Partners: The AI pricing and monetization playbook, Februar 2026
- Snowflake Inc.: Geschäftsbericht (Form 10-K) für das Geschäftsjahr bis 31. Januar 2026