Pricing Friendsby hy, zur StartseiteGespräch mit hy

Folge #130 · 18.06.2026 · 48 Min.

TextHacks und Pricing mit Anne-Kathrin Gerstlauer: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Preise

Bei Pricing Friends geht es fast immer um Zahlen. In Folge 130 dreht Dr. Sebastian Voigt den Blick einmal um und fragt, wie stark die Wahrnehmung eines Preises davon abhängt, in welche Worte man ihn packt. Zu Gast ist Anne-Kathrin Gerstlauer, die mit ihrem Newsletter TextHacks rund 20.000 Menschen pro Woche zeigt, wie sie besser schreiben. Schon der Einstieg macht deutlich, dass Preiskommunikation kein Beiwerk ist, sondern mitentscheidet, ob aus Interesse ein Kauf wird. Eine nackte Zahl wirkt im Kopf anders als dieselbe Zahl, die in eine Szene, einen Vergleich oder eine Frage eingebettet ist.


Gerstlauer arbeitet mit vier Methoden, die denselben Preis kleiner und greifbarer machen. Bei der Vergleichsmethode stellt sie den Preis neben etwas Alltägliches, allerdings nur, solange der Vergleich neu ist, denn das abgenutzte Bild vom Coffee to go löst im Gehirn längst nichts mehr aus. Mit der Zeitmethode rechnet sie hohe Beträge herunter, sodass aus 3.600 Euro im Jahr rund 10 Euro am Tag werden. Die Kontrastmethode ankert bewusst an einer viel größeren Zahl, während die Fragemethode Kunden über eine gezielte Frage selbst auf den Wert kommen lässt. Über allem steht für sie ein einfaches Prinzip, nämlich konkret zu zeigen statt zu behaupten. Wie Gerstlauer es auf den Punkt bringt: „Tolles Produkt – aber kannst du es nicht fotografieren, wirst du es nicht kaufen".


Über den Gast

Anne-Kathrin Gerstlauer schreibt den Newsletter TextHacks und zeigt darin jede Woche rund 20.000 Abonnent:innen, wie sie besser schreiben. Zuvor war sie Journalistin, baute bei der Zeit den Bereich Campus Online auf und war stellvertretende Chefredakteurin von Watson.de. Seit rund vier Jahren ist sie selbstständig und gibt Workshops, Keynotes und Beratungen rund um Sprache und KI, längst nicht mehr nur für Medien, sondern auch für Verbände, Politik und Wirtschaft.

Transkript

Anne-Kathrin GerstlauerHast du was zu sagen, was niemand anders mit oder ohne KI schreiben kann? Wenn deinen Job auch eine KI machen kann, dann machst du ja irgendwas falsch. Also, wenn deine LinkedIn-Texte eigentlich auch eine KI ohne dein Wissen, ohne dein Input schreiben kann, dann machst du dich ja quasi selber austauschbar. Also, die Frage ist eigentlich gar nicht mit Füllwörter, mit KI, ohne KI, sondern so: Wie kann ich meine Expertise eigentlich klarmachen? Ich glaube, darauf wird es viel mehr ankommen, als diese glatten LinkedIn-Postings, die irgendwie alle gleich klingen. Das wird ja irgendwann überhaupt nicht mehr funktionieren.

Sebastian VoigtHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt. Hallo liebe Pricing Friends. Wenig überraschend reden wir hier bei Pricing Friends viel über Preise, welche in ihrer Natur ja Zahlen sind. Heute jedoch wollen wir über Preise als Text sprechen, denn Preise werden anders wahrgenommen, je nachdem, wie sie niedergeschrieben werden. Die Zahl Null hat einen anderen Effekt im menschlichen Gehirn im Vergleich zum Wort Null, zu gratis oder zu kostenlos. Und auch Schriftarten, Schriftgrößen, Farben und viele andere Texthacks können die Preiswahrnehmung und damit die Kaufentscheidung beeinflussen. Mein heutiger Gast ist Anne-Kathrin Gerstlauer. Sie hat einen fantastischen Newsletter namens TextHacks und verrät ihren circa 20.000 Abonnenten jede Woche, wie man besser schreibt und in unserem Fall dann auch besser preist. Insofern freue ich mich auf viele Pricing Texthacks heute, ein unglaublich schwieriges Wort, und schön, dass du da bist, Anne-Kathrin.

Anne-Kathrin GerstlauerDanke, Sebastian. Ich freue mich mega.

Sebastian VoigtBevor wir so richtig einsteigen, wozu braucht man eigentlich in KI-Zeiten einen Schreib-Newsletter? Und jetzt, wo ich es ausgesprochen habe, merke ich, vielleicht ist der Podcast jetzt auch zu Ende mit dieser Frage.

Anne-Kathrin GerstlauerJa, das ist wirklich die meistgestellte Frage, dass die Leute denken, ich habe jetzt keinen Job mehr, weil jeder kann jetzt einfach ChatGPT einmal aufmachen, sagen: "Hier, sei ein super cooler LinkedIn-Ghostwriter" und fertig ist der Text. Und das, was wir aber gerade sehen, bestärkt mich sehr. Die Leute haben ja jetzt schon keinen Bock mehr auf KI-Texte, ne? Alle sagen AI Slop, alles klingt immer schlechter und so weiter. Und meine These ist, es klang auch schon echt mittelmäßig vor KI. Ist kein KI-Problem, aber super, dass wir jetzt endlich über Texte sprechen. Also, wir sind Ich bin quasi zum genau richtigen Zeitpunkt noch mal groß geworden. Die Leute merken jetzt: Wir werden tausendmal mehr Texte haben wie früher. Ich muss mit meinem Text richtig hervorstechen. Ich kann mir diese Mittelmäßigkeit von früher einfach überhaupt nicht mehr leisten.

Sebastian VoigtJa, glaube ich wohl. Wie häufig ich schon lange Bindestriche entfernt habe aus irgendwelchen KI-Texten, die die einfach inflationär genutzt werden.

Anne-Kathrin GerstlauerIch möchte jetzt erstmal an der Stelle sagen, dass das Gedankenstriche sind und nicht Bindestriche, ganz wichtig. Nee, finde ich lustig, dass du es sagst. Ich höre das total häufig und finde das total witzig, dass wir uns über sowas definieren, ob man jetzt KI erkennt oder nicht und gar nicht darüber, ob das eigentlich gute oder schlechte Texte sind. Das finde ich total spannend, dass es die ganze Zeit diese Bindestrich-Diskussion gibt, aber nicht darüber so: Ist doch scheißegal, ob es mit oder ohne KI geschrieben ist. Ist es ein guter Text oder nicht?

Sebastian VoigtIch habe auch schon viel probiert. Die eine oder anderen sagen ja auch, ich sei überaktiv auf LinkedIn und ich habe natürlich früher alles per Hand geschrieben, dann eine Zeit lang sehr viel mit Markus, meinem Social-Media- Custom GPT, der der quasi der Social-Media-Agent ist und mittlerweile mache ich wieder 90 Prozent selber, weil ich irgendwie das Gefühl habe, das ist so repetitiv. Ist das dieses dieser AI Slop im im Writing?

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