Pricing Friendsby hy, zur StartseiteGespräch mit hy

Folge #127 · 28.05.2026 · 53 Min.

AI im Public Sector mit Ina Remmers: Wie bepreist man juristische Logik als Code?

Gesetze sind kein Algorithmus. Sie folgen einer juristischen Prüfstruktur aus Wenn-Dann-Oder-Und-Verknüpfungen, die sich in klassische Prozesslogik nicht übersetzen lässt. Gleichzeitig wächst der Druck auf öffentliche Verwaltungen massiv: Hunderttausende Stellen gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, über eine Million Fälle liegen allein in deutschen Staatsanwaltschaften unbearbeitet, und McKinsey schätzt, dass bis zu 60 Prozent der Arbeitsstunden in der Verwaltung automatisierbar wären. Das Versprechen generativer KI hilft hier nicht weiter, weil eine Behörde keine 95-Prozent-Antwort gebrauchen kann. Sie braucht eine richtige.

Ina Remmers, Gründerin und Geschäftsführerin der Rule Mapping Group, hat mit Rule Mapping genau dafür eine Methode entwickelt. Eine Rulemap ist keine Datenbank und kein Chatbot, sondern eine maschinenlesbare Visualisierung eines Gesetzes: Der Entscheidungsbaum liegt offen, jedes Tatbestandsmerkmal schaltet sich auf Rot oder Grün, und das Ergebnis ist immer dasselbe. In Baden-Württemberg hat das dazu geführt, dass eine Vollständigkeitsprüfung für Windkraftanlagen, die bisher bis zu 18 Monate dauerte, auf 5 bis 8 Wochen gesunken ist. Das Geschäftsmodell dahinter ist heute noch Projektgeschäft mit anschließender Softwarelizenz, bepreist nach Anzahl der bearbeiteten Fälle und Anzahl der Nutzer. Ein versteckter Value-based-Ansatz steckt bereits drin: Komplexere Akten werden höher bepreist, weil dort auch mehr Effizienz gehoben wird. Wie Ina Remmers es im Gespräch formuliert: „Wir haben das juristische Denken, also das, was die Juristen optimalerweise im Kopf machen. Mir wurde gesagt, das macht einen guten Juristen aus, wenn er sich diese Prüfstruktur sozusagen im Kopf bauen kann. Und das ist auch der Ursprung des Rule-Mappings, so ist das auch entstanden, dass die Frage war, wie bringt man eigentlich diese Denkweise aus dem Kopf der Juristen eben in eine Software?"

Über den Gast

Ina Remmers ist Gründerin und Geschäftsführerin der Rule Mapping Group und beschreibt sich selbst als Impact-Unternehmerin. Vor der Rule Mapping Group hat sie acht Jahre lang nebenan.de verantwortet, eine der größten Nachbarschaftsplattformen im deutschsprachigen Raum. Sie hat Psychologie studiert und war zuvor in der Werbung tätig. Die Rule Mapping Group ist auf rulemapping.org zu finden.

Transkript

Ina RemmersWas wir machen, ist, wir haben das juristische Denken, also das, was die Juristen optimalerweise im Kopf machen, das ist auch der Ursprung des Rule Mappings, so ist das auch entstanden, also wir haben in der Regel Gesetze, Verordnungen, Richtlinien immer noch in Fließtext, also Tausende von Seiten umfasst, aber Fließtext mit diesen ganzen Querverweisen, Abhängigkeiten, ja, Wenn-Dann-Situationen in einer Komplexität liegt das vor, dass wir das selbst unser menschliches Hirn, das eigentlich kaum verarbeiten kann.

SprecherinHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt.

Sebastian VoigtHallo liebe Pricing Friends. Schön, dass ihr wieder da seid in der neuen Woche. Ihr wisst ja, regelmäßig sprechen wir hier bei Pricing Friends darüber, wie man Geschäftsmodelle mit generativer KI optimal einsetzt und monetarisiert. Jetzt sind die KI-Modelle meistens, arbeiten die mit Wahrscheinlichkeiten und sind daher so für manche manche Entscheidungen, wo ich eine hundertprozentige Zuverlässigkeit benötige, nicht unbedingt anwendbar. Also so in der Gesetzgebung, in der Justiz, in der Verwaltung, bei Compliance-Themen. Und ich spreche heute mit Ina Remmers. Sie ist die Gründerin und Geschäftsführerin der Rule Mapping Group. Sie arbeitet an einer Rule AI, also einer deterministischen KI, die Entscheidungen überprüfbar macht, 100% konsistente Ergebnisse liefert und wie das funktioniert und wie man mit agentenbasierten Lösungen für Justiz und Co dann auch noch Geld verdienen kann, da bin ich sehr gespannt drauf. Also heute wird's nicht ganz einfach, aber wir kriegen das hin. Herzlich willkommen, liebe Ina.

Ina RemmersVielen Dank. Freue mich hier zu sein.

Sebastian VoigtJetzt muss ich natürlich mal fragen, das das klingt ja schon unglaublich kompliziert. Du musst uns gleich mal den Weg erklären, wie du wie du dorthin gekommen bist. Vielleicht machen wir es erst mal so, dass dass du dich kurz vorstellst und dann sprechen wir über die die schweren Themen.

Ina RemmersJa, sehr gerne. Also Ina Remmers ist mein Name. Ich beschreibe mich gerne selbst als Impact-Unternehmerin. Also ich habe vor der Rule Mapping Group schon zweimal gegründet, einmal im Non-Profit-Bereich und dann eben nebenan.de gegründet. Das ist vielleicht jetzt die eine Gründung, die sehr viele kennen, also eine Nachbarschaftsplattform. Ich habe Psychologie studiert und vorher in der Werbung gearbeitet. Also mich hat schon immer so ein bisschen umgetrieben, ja, warum Leute, also was Leute konsumieren, warum sie es konsumieren und und wie das vielleicht auch zusammengeht mit damit, dass man was was Gutes tut und ein gesellschaftliches Problem eben auch löst. Und habe 8 Jahre lang nebenan.de gemacht sozusagen, habe es verantwortet und nach nebenan.de war tatsächlich so ein bisschen so der Moment, man fragt sich ja, wenn man so ein Baby in die Welt gebracht hat, fragt man sich so ein bisschen, was ist so das nächste große Thema, was ist die nächste große Challenge, also wirklich auch gesellschaftlich gesehen. Und dann kam tatsächlich in dem Fall der Moment ein befreundeter Jura-Professor von meinem Mitgründer Till Behnke und mir zu uns und hat mir von Rule Mapping erzählt, da werde ich ja gleich ausführlich drüber sprechen. Und und das war tatsächlich für mich wie so ein ja, weiß ich nicht, wie so ein wie so das nächste Puzzlestück, was so reinpasst, weil es ja um Regeln und Gesetze geht und während wir bei nebenan.de uns mit der Zivilgesellschaft beschäftigt haben, die unsere Gesellschaft am Laufen hält, ja, tatsächlich auch, wie wir es in Krisen immer wieder sehen, haben wir eine andere ganz wichtige Komponente und das sind eben Regeln, Gesetze, Strukturen, also das, was uns irgendwie Halt gibt oder einen Rahmen gibt. Und und dass wir da so das ein oder andere aktuelle Problem haben, darüber sprechen wir jetzt bestimmt gleich.

Sebastian VoigtDarüber sprechen wir gleich. Vielleicht noch mal ganz kurz, nebenan.de kennen bestimmt viele als Nachbarschaftsplattform. Finde ich auch ein super Produkt. Sobald irgendwo in der Nachbarschaft ein Fahrrad geklaut wird, erfahre ich es immer als Erstes und sag den Kindern, nicht vorne anschließen, bringt die nach hinten. Also da läuft gerade jemand rum. Also insofern hat uns das wahrscheinlich auch schon zwei, drei Fahrräder gerettet. Was war damals deine Motivation, die die Plattform aufzusetzen?

Ina RemmersTatsächlich eine ganz persönliche. Also ich ich ich bin ein Wendekind. Ich bin im Osten geboren und im im Westen dann sozusagen sozialisiert, sage ich jetzt mal, aufgewachsen. Und für mich und das alles immer in sehr kleinen Dörfern. Also für mich hat Nachbarschaft immer eine große Rolle gespielt, ja?

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