Pricing Friendsby hy, zur StartseiteGespräch mit hy

Folge #117 · 26.03.2026 · 52 Min.

Ping Pong und Pricing mit Waldemar Zeiler und Kian Pariwar: Wie verkauft man etwas, das jeder für umsonst hält?

Über 70 Prozent der Deutschen haben schon einmal Tischtennis gespielt, es gibt mehr als 15.000 Platten im Land und trotzdem kaum ein überdachtes, kommerzielles Angebot in der Innenstadt. Waldemar Zeiler und Kian Pariwar haben mit Ding Dong Ping Pong in Berlin genau diese Lücke besetzt: ein personalloser Tischtennis-Club, der über eine App gesteuert wird, ab 25 Prozent Auslastung profitabel ist und im Februar bei 53 Prozent lag. In dieser Videofolge trifft Sebastian Voigt seine Gäste direkt an der Tischtennisplatte und spricht mit den beiden Gründern über ein Geschäftsmodell, das zwischen Billard und Padel positioniert ist, und über die vielleicht ungewöhnlichste Pricing-Herausforderung im Sport: „Ich glaube, der Ankerpreis ist 0 Euro bei den Leuten in den Köpfen, wenn du gehst raus an die Platte."

Der Club in Berlin-Prenzlauer Allee funktioniert ohne Personal vor Ort. Licht, Zugang, Punktezählung und Videoaufzeichnung laufen über App, Bildschirme und Sensoren unter dem Tisch. Das Preismodell ist klar zweigeteilt: 15 Euro pro Stunde in der Off-Peak-Zeit, 20 Euro abends und am Wochenende, eine Membership für 59 Euro im Monat inklusive Gast und 50 Prozent Rabatt außerhalb der Happy Hour. Dazu ein Video-Download der gespielten Stunde für 15 Euro. Warum kein Café, kein Personal, keine Gastronomie? Waldemars Antwort ist knapp: „Gastro ist gleich Personal, ist gleich Pain." Dass das Modell skaliert, zeigt der erste Franchise-Standort in Essen, intern „Friend-Chise" genannt, mit weiteren Standorten in Hamburg und Berlin in Planung.

Außerdem in dieser Folge: Wie eine Spezialkamera am Center Court den Spin des Balls misst, Profis kommen auf 160 Rotationen pro Sekunde, Hobbyspieler auf 40 bis 50, und was das für Coaching-Angebote bedeutet. Wie ein KI-System erkennt, wenn jemand oberkörperfrei spielt, und automatisch per Sound und Licht eingreift. Warum eine One-Point-Challenge mit 65 Teilnehmern à 10 Euro finanziell ein Minus war, aber marketingtechnisch ein klarer Gewinn. Und wie ein Repost von Timothée Chalamet auf Instagram einem kleinen Berliner Club millionenfache Reichweite bescherte.

Über die Gäste

Waldemar Zeiler ist Mitgründer von Ding Dong Ping Pong und verantwortet Marke, Marketing und Design. Um das Geschäftsmodell zu prüfen, flog er nach New York, mietete sich direkt neben dem dortigen Tischtennis-Club ein und beobachtete das Treiben mit Jetlag quasi rund um die Uhr. Er sieht Tischtennis als IRL-Gegenbewegung zur Digitalisierung: echte Begegnungen, echter Sport, echter Ort. Nebenbei investiert er nach eigener Aussage 100 Prozent des Profits in seine eigenen Tischtennis-Skills.

Kian Pariwar ist Mitgründer von Ding Dong Ping Pong und verantwortet Technologie, Finanzen und operative Prozesse. Der gebürtige Essener hat für das Projekt sogar die Starterausbildung zum Tischtennis-Trainer absolviert und berechnet den Break-Even per Bottom-up-Kalkulation auf Basis aller Kostenblöcke. Da er direkt um die Ecke des Clubs wohnt, erklärt er regelmäßig Neugierigen, die durchs Fenster schauen, wie das Konzept funktioniert. Dass der erste Franchise-Standort in seiner Heimatstadt Essen eröffnet, freut ihn besonders.

Transkript

Also ich ich ich mag ja persönlich immer Geschäftsmodelle, die so ein bisschen so ulkig, altmodisch sind, wo sich nicht alle draufstürzen. Also bei Kondomen war das ja nicht anders. Und für mich ist Tischtennis so sind die Kondome der Schlägersportarten. 200.000 Menschen haben sich wegen der Lebrun-Brüder jetzt in Vereinen in Frankreich angemeldet. Die sind ja viral gegangen in Frankreich. Wie viele Jahre länger leben Menschen, die bestimmte Sportarten machen? Und tatsächlich liegt Tennis als Vertretung für alle Schlägersportarten mit 9,7 Jahren vorne, während Fußball gerade irgendwie, glaube ich, 3, 4 Jahre extra gibt. Und haben uns dann erst angeschaut, wie viel Revenue muss man denn generieren, um profitabel zu sein und tatsächlich ab 25 % Auslastung können wir operative Margen, die erreichen, die Break-even sind. Und ich persönlich finde es eigentlich auch irgendwie schöner, dass wir jetzt lieber eine höhere Auslastung haben einfach zu einem niedrigeren Preis. Ja, ich glaube, der Ankerpreis ist 0 € bei den Leuten in den Köpfen. Wenn du gehst raus an die Platte, das kostet dich virtuell 0 €. Ich finde, dass man in Business-Podcasts habe ich gelernt, man muss Kommazahlen sagen, dass da wirkst du viel intelligenter und die Leute hinterfragen das nicht, weil die denken: Ja, das Ich höre mir das schon seit 20 Jahren an. Herzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt. Hallo, liebe Ping-Pong-Pricing-Friends. Schön, dass ihr diese Woche wieder da seid. Wir sind heute hier an einem speziellen Ort, nämlich bei Ding Dong Ping Pong. Und ich habe hier Waldemar Zeiler und Kian Pariwar zu Gast bzw. bin zu Gast und wir kombinieren heute zwei meiner Lieblingsthemen, nämlich Tischtennis und Pricing. Über Pricing reden wir ja häufig, über Tischtennis ein bisschen seltener. Aber es ist natürlich einer der massenkompatibelsten Sportarten überhaupt. Über 70 % der Deutschen haben schon mal Tischtennis gespielt. Über 15.000 Platten gibt es, davon aber nur ganz ganz wenige öffentliche überdachte. Jetzt kommen ein paar mehr in die deutschen Wohnzimmer, zumindest fühlt sich ein bisschen an wie ein Wohnzimmer und wir wollen heute darüber reden, wie man aus Tischtennis ein erfolgreiches Geschäftsmodell macht. Insofern schön, dass wir hier sind. Sehr gerne. Schön, dass wir in diesem Podcast sein dürfen. Ihr seid ja so ein altes Gründerehepaar. Ich hoffe, ich darf das so sagen. Ist eure dritte Gründung. Wie kommt man darauf, ein Tischtennis-Startup zu gründen? Dum-dum. Überraschung. Also das Lustige ist, dass wir in unserem letzten Startup, das hieß ZAP Enery, da haben wir Balkonkraftwerke gemacht, da haben wir eine Tischtennisplatte gehabt und wir haben ständig dem Team erzählt, wir müssen uns jetzt zum Brainstorming zurückziehen und haben dann die ganze Zeit Tischtennis gespielt. Und dann war irgendwie so klar, als dann ZAP nicht geklappt hat, wir müssen irgendwas machen, was irgendwie mit Leichtigkeit, mit Freude, mit Gemeinschaft zu tun hat und haben dann einfach so geguckt, was könnte das alles sein und dann fiel uns diese Platte ein. Und dann haben wir gedacht, das ist ja unglaublich. Und dann habe ich einen Kumpel von mir getroffen, der ist der baut Padel-Anlagen in Deutschland, ein Marktführer, und hat gesagt: Du, da gibt's so ein cooles Start-up in den USA, die machen tatsächlich ein Geschäftsmodell mit Tischtennis. Und genau, dann sind wir da hingeflogen, oder ich bin da hingeflogen, und haben uns das angeschaut. Und haben gesagt: Okay, let's do it. Wir bringen das nach Berlin. Es kann doch nicht wahr sein, dass man mit Tischtennis Geld verdienen kann. Und dann in den USA, oder? Da spielt doch kein Mensch Tischtennis. Das stimmt, aber die haben Der Bedarf ist dort vermeintlich noch größer, weil die keine Clubs haben. Und diejenigen, die dort spielen, sind ja auch super viele Menschen aus anderen Ländern, die haben gar keine Möglichkeit und das funktioniert dort seit Corona ziemlich gut. Die haben 20 Locations, ganz viele in New York. Und wir haben gesagt: Okay, let's do it in Berlin. Und dann kommen die Leute vor der Arbeit, nach der Arbeit, in der Mittagspause oder abends zum Sport machen und Party machen. Ja, rund um die Uhr tatsächlich, weil wir tagsüber Gäste haben, die nach der Arbeit vorbeikommen, Eltern, die ihre Kinder nach der Schule vorbeibringen und tatsächlich auch Schichtarbeiter haben, die nach Mitternacht hier vorbeischauen. Und ich habe ja gesagt, ihr eben Es ist euer drittes gemeinsames Startup. Das zweite waren die Balkonkraftwerke, da gehen wir gleich noch mal drauf ein. Und ich habe im Vorgespräch beide gefragt, was das erste war. Und jetzt müsst ihr es auch sagen. Eben wolltet ihr es nicht verraten. Es muss was ganz Schlimmes sein. Ich hoffe, du hast den Namen nicht vergessen. Ja, Sag mal. Sag mal, jetzt jetzt muss Sag mal. Das ist auch cringe gewesen: Telenick. Telenick. Und jetzt fragst du, warum haben wir den Laden so genannt? Warum habt ihr den Laden so genannt? Ja, mach mal. Nee, ich kann bis heute nicht erklären, was wir da versucht haben. Das war total spannend. Also ich find das 'ne mega Idee, by the way, auch rückblickend. Und zwar ging es um Auskunft. Vielleicht erinnern sich noch die 11833 und so. Genau, die Es nennt sich die 118er-Gasse und es gab tatsächlich ein Geschäftsmodell, sogar ein super lukratives Geschäftsmodell, wo Leute irgendwo angerufen haben, eine Nummer, 118 irgendwas, haben dafür bis zu 2 € die Minute gezahlt, um zu fragen: Wo ist der nächste Bäcker oder wo finde ich Wo kann ich Blumen kaufen? Oder könntest du mich bitte mit der Taxizentrale XY verbinden?

Waldemar Zeilerunglaublich und im Studium haben wir dann gesagt, das war gerade diese Skype-Zeit, wir waren alle auf Skype. Das kennen wahrscheinlich auch wieder, ich weiß gar nicht, wie alt sind die Zuhörer bei euch?

Sebastian VoigtIch hoffe ein bisschen älter, aber ein paar, ein paar verstehen es schon.

Waldemar ZeilerOkay, gut, dann kennen die es. Okay, die kennen Skype. Also, ich habe die ganze Zeit geskypet und dann haben wir uns überlegt so: Ey, die Informationen sind doch auf telefonbuch.de frei zugänglich, öffentlich und wenn wir jetzt lauter Studenten haben, die sich dezentral sozusagen in Slots einwählen und dann sozusagen die Auskunft übernehmen mit Skype, dann rufen da Leute an und die gucken auf telefonbuch.de und sagen diese Information und wir können das kostenlos werbebasiert oder für einen ganz schmalen Grat für 10 Cent machen. Und dann gedacht, das ist doch ein mega Geschäftsmodell.

Sebastian VoigtEin Billiglohntelefonzentrum.

Kian PariwarIch war dann auch mega angefixt, weil geil, Skype, für Businesses gibt's das nicht. Also schaue ich mir den Tech-Stack an. Dann ging's halt de facto um Voice-over-IP oder IP-Telefonie damals und habe mich da reingebuddelt, bis dann was passiert ist?

Waldemar ZeilerWir haben ein ganz kleines Detail übersehen, aber das war Mini, es war, aber ja, wir waren jung und

Sebastian VoigtRechtlich?

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