
MisterSpex und Pricing mit Dr. Tim Frommeyer: Was steckt hinter dem Preis einer Brille und warum liegt die Marge im Glas?
Der europäische Brillenmarkt wächst von 57 auf 83 Milliarden US-Dollar bis 2034, angetrieben von einer alternden Bevölkerung, der Brille als Fashionprodukt und einer globalen Myopie-Krise. Sebastian Voigt spricht mit Dr. Tim Frommeyer, Head of Category Management bei Mr. Spex, über einen Markt, der nach außen vergleichbar wirkt und es bei näherer Betrachtung kaum ist.
Das liegt am Glas: individuell gefertigt, in Hunderten Varianten, für Kunden nahezu unvergleichbar. Mr. Spex nutzt das konsequent mit einem Good-Better-Best-Glassortiment, einer Eigenmarke mit über zehn Prozent Umsatzanteil und MrSpex Switch, einem Mietmodell für zwei Brillen über zwei Jahre zum Kaufpreis minus 15 Prozent. Dazu gibt Frommeyer eine pointierte Einschätzung zu Rabattkampagnen im Markt: "Sind Kampagnen dafür da, den Umsatz zu pushen, der sowieso gekommen wäre, und sich dann für eine gute Kampagne zu feiern, oder hat man damit gezielt Zusatzkäufe generiert?"
Außerdem in dieser Folge: Warum der Sehtest der letzte Schritt ist, den die Branche nicht digitalisieren kann, und was das für die Omnichannel-Strategie von Mr. Spex bedeutet. Wie Sonnenbrillen-Pricing auf Wetterdaten reagiert und warum Luxusmarken wie Prada oder Miu Miu strukturell preisstabil bleiben. Und welche Rolle Smart Glasses und Myopie-Technologie in den nächsten Jahren spielen werden.
Über den Gast
Dr. Tim Frommeyer studierte und promovierte in Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn mit Schwerpunkt Spieltheorie. Danach war er mehrere Jahre bei Simon-Kucher & Partners im Bereich Pricing und Monetarisierung tätig. Seit 2022 ist er bei Mr. Spex im Category Management und verantwortet die Kategorien Kontaktlinsen und Brillengläser.
Transkript
Dr. Tim FrommeyerAber im Prinzip ist die Idee tatsächlich, dass Kunden sich zwei Brillen aussuchen können und dann die über zwei Jahre mieten und nach zwei Jahren können sie entweder die Brille kaufen oder sie zurückgeben und dann spenden. Also da gibt's tatsächlich ein neues Modell und diese Ist es jetzt ein Abo? Ist es ein Mietmodell? Ist jetzt ein bisschen, glaube ich, die Grenzen verschwimmen. Ist es eine Ratenzahlung? Man kann jetzt irgendwie darüber debattieren, was das wirklich ist. Aber im Prinzip ist das etwas, was in Skandinavien sehr erfolgreich funktioniert.
Sebastian VoigtHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt. Hallo, liebe Pricing Friends! Schön, dass ihr diese Woche wieder dabei seid. Und bevor ich jetzt in der gewohnten Manier erzähle, worum es heute geht, muss ich natürlich eines direkt zugeben: Ich habe noch nie eine Brille getragen, habe mir noch nie Kontaktlinsen gekauft und meine Sonnenbrillen lasse ich mir meistens irgendwie antizyklisch zu Weihnachten schenken. Das heißt, heute dünnes Eis, denn wir reden über das Pricing von Brillen. Ich finde das ja schon spannend, denn online sind ja viele Markenbrillen extrem vergleichbar im Preis und das macht das Pricing ja auch so spannend aus meiner Sicht, weil da ist ja mehr drin: Rahmen, Glas, Upgrades, Beratung, Store-Besuch. Irgendwo da drin muss ja noch die Marge versteckt sein. Und heute rede ich mit Tim Frommeyer. Er ist Head of Category Management bei Mister Spex. Das kennt ihr sicherlich, eine der bekanntesten Omnichannel-Optikerketten in Europa. Haben angefangen 2008 mit Online-Pure-Play, jetzt heute über 60 Stores, ca. 180 Millionen Euro Umsatz und starker Anspruch, die lokale Optikerkompetenz mit einer digitalen Journey zu verbinden. Also insofern auch für mich als Brillen-Novize sicherlich spannend. Und ich freue mich auf unser Gespräch, Tim.
Dr. Tim FrommeyerJa, danke, dass ich hier sein darf.
Sebastian VoigtJetzt muss ich mal gucken, scharf in die Augen gucken, romantisch. Du bist auch kein Kontaktlinsenträger, kein Brillenträger. Wie hast du dir den Arbeitsvertrag bei Mister Spex bekommen?
Dr. Tim FrommeyerJa, sehr gute Frage, genau. Ich bin weder Brillen- noch Kontaktlinsenträger. Ich war aber sehr lange Kontaktlinsenträger. Mit ungefähr 14 Jahren habe ich angefangen, Kontaktlinsen zu tragen bis 2021 und 2022 habe ich meinen Job bei Mister Spex angefangen. Also ich habe praktisch kurz nachdem ich meinen Arbeitsvertrag bei Mister Spex begonnen habe, habe ich mir die Augen lasern lassen.
Sebastian VoigtVerrat!
Dr. Tim FrommeyerJa, könnte man so sagen. War im Nachhinein auch gar nicht so clever, weil ich dadurch mir ein bisschen die Gelegenheit genommen habe, Kontaktlinsen selber auszuprobieren, die ich jetzt pflege bei Mister Spex. Aber tatsächlich hat das für mich damals irgendwie Sinn ergeben und für die Lebensqualität war es für mich der richtige Schritt. Für viele andere Menschen ist es, glaube ich, schon auch ein sehr, ja, ein sehr intimer Eingriff natürlich, Augen lasern lassen. Hätte ich auch nie gemacht, wenn mein bester Kumpel mir nicht erzählt hätte, wie es bei ihm gewesen wäre und dann habe ich gedacht, gut, das geht auch. Aber ja, das war meine Journey vor Mister Spex.
Sebastian VoigtAber wie lange hält das? Zehn Jahre oder so, ne? Das wird dann wieder schlechter, das heißt, du kommst wieder in die Zielgruppe rein. Also zum zehnjährigen Jubiläum kriegen andere eine goldene Uhr und du kriegst dann vielleicht eine goldene Prada-Brille.
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