Pricing Friendsby hy, zur StartseiteGespräch mit hy

Folge #091 · 18.09.2025 · 45 Min.

Behavioral Pricing mit Kai Widdecke: Kaufen wir am Bildschirm mehr als am Schalter?

Warum geben wir an elektronischen Bestell-Screens mehr Geld aus und greifen häufiger zu ungesunden Optionen? Dr. Sebastian Voigt spricht mit Prof. Kai Widdecke (HAW Hamburg; 2025 Gastprofessor in Münster) über Studien zu Self-Order-Kiosken, Kino-Buchungen und Online-Käufen und was Behavioral Pricing in der Praxis wirklich verändert.

Kai erklärt, wie soziale Faktoren, Kinder und durchdachte User Interfaces dafür sorgen, dass Bestellbons im Schnitt um rund 14 % steigen – bei Kalorien und Zucker sogar noch stärker. Außerdem diskutieren die beiden, welche Preistricks wissenschaftlich bestätigt sind, wo sie an Grenzen stoßen und warum Conjoint-Analysen nicht immer besser sind als einfache Kundenbefragungen.

Zur Sprache kommen Klassiker wie rote Preise, 99er-Endungen, Good-Better-Best-Modelle, Decoy-Effekte und Knappheitslogiken – mit überraschenden wissenschaftlichen Befunden und praxisnahen Empfehlungen.

Über den Gast:

Kai Widdecke ist seit 2023 Professor für Marketing an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und 2025 Gastprofessor in Münster (Vorlesungen zu Strategic Pricing, Monetization Models und Behavioral Pricing). Zuvor war er u. a. bei EY-Parthenon (Strategy & Pricing), Bauer Media (Head of Strategic Projects; Aufbau eines Corporate Startups), Unilever und der REWE Group tätig. Seine Schwerpunkte: Pricing, Behavioral Economics, digitale Geschäftsmodelle und Commercial Excellence. Außerdem ist er Initiator des Pricing Club Hamburg, einem offenen Netzwerk für alle, die sich für Preismodelle und Monetarisierung interessieren.

Transkript

Kai WiddeckeJa, tatsächlich. Die Kunden geben an diesen elektronischen Screens mehr aus und zwar nicht zu knapp, also 14 %. Wenn man sich das vorstellt, bei so großen Konzernen 14 % einfach mal so zu holen pro Kunde, das ist natürlich schon enorm, also ein riesen Uplift. Wenn keine Kinder dabei sind, ist der Unterschied zwischen Screen und Theke bei einem Euro, aber wenn ein Kind dabei ist, dann ist der Unterschied zwischen Theke und Screen knapp 5 €.

SprecherinHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt.

Sebastian VoigtHallo und herzlich willkommen, liebe Pricing Friends! Und schön, dass ihr auch diese Woche wieder dabei seid. Heute ein Thema, aber das sage ich eigentlich auch immer, über das ich mich wirklich freue: Ich spreche heute mit Kai Widdecke. Wir sind beide langjährige Pricing-Veteranen, haben schon ein paar Projekte zusammen gemacht. Mittlerweile ist Kai Professor für Strategiemarketing und Pricing, sowohl in Hamburg als auch in Münster. Das sagt er aber alles gleich. Worüber wir sprechen, ist heute, wie verhalten sich Kunden eigentlich, wenn sie an elektronischen Screens kaufen? Zahlen die da mehr? Kaufen sie mehr? Denkt mal an McDonald's, an Kinos und an viele andere, bis hin zum E-Commerce-Shopping am Handy oder am Rechner. All das wollen wir besprechen. Und da er mittlerweile stark in der Wissenschaft involviert ist, würde ich mit ihm auch gerne mal in seinem Fachgebiet, Behavioral Pricing, all die Tipps und Tricks, die wir hier in 90 Folgen schon besprochen haben, einmal wissenschaftlich challengen lassen. Insofern sprechen wir nachher auch über Preisanker, über Decoys, über Good Better Best, all das, was ihr hier andauernd hört, und hoffen noch auf gute wissenschaftliche Antworten. So! Also, ich freue mich sehr. Hallo, Kai, dass du da bist!

Kai WiddeckeHallo, Sebastian! Freue mich, hier zu sein.

Sebastian VoigtEigentlich mache ich nicht so lange Anmoderationen. Das war heute extrem, vielleicht dem Enthusiasmus geschuldet. Aber vielleicht stellst du dich noch mal vor, bevor wir so richtig einsteigen.

Kai WiddeckeJa, klar. Kann ich gerne machen. Ich bin seit 2023 Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, unterrichte aber auch in an der Uni Münster zum Beispiel. Und mein ja Herzensthema, das ist Pricing, Monetarisierung, insbesondere Behavioral Pricing. Du hast es schon gesagt, wir haben auch schon mal zusammen Projekte gemacht. Das mache ich nämlich auch gerne nebenbei, neben der Vollzeitprofessur. Davor kann ich vielleicht auch noch kurz sagen, meine meine meine Laufbahn habe ich angefangen in der Beratung, EY-Parthenon oder OC&C als Strategieberater. Bin dann habe meine meine Doktorarbeit geschrieben und bin dann aber auch noch in die Medienwelt gegangen, habe da innerhalb eines großen Konzerns gegründet. Und ja, bin dann zur Professur gekommen. Also ja, meine Lieblingsthemen sind natürlich Pricing, deswegen freue ich mich auch sehr, hier zu sein, und auch gerne digitale Geschäftsmodelle, Commercial Excellence. Und was ich auch nicht vergessen möchte zu erwähnen, ist der Pricing Club Hamburg, den ich mit ein paar Kollegen organisiere. Kurzer Teaser schon mal: Also, wenn ihr Interesse habt an Pricing-Themen, wenn ihr euch gerne damit beschäftigt, dann ja, haut mich an, schreibt mir auf LinkedIn! Ich organisiere den Pricing Club, eine Netzwerkveranstaltung für alle, die Preise lieben.

Sebastian VoigtIn Hamburg. Und ihr trefft euch wie häufig?

Kai WiddeckeJa, so alle halbe Jahre.

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