Pricing Friendsby hy, zur StartseiteGespräch mit hy

Folge #045 · 24.10.2024 · 69 Min.

Kunst und Pricing mit Diandra Donecker: Wie wird der Wert von Kunstwerken bestimmt?

Kunst steht für Kreativität und Indvidualität, während Zahlen und Wirtschaftlichkeit oft das genaue Gegenteil symbolisieren – dennoch sind beide Welten enger miteinander verknüpft, als man vermuten würde. In unserer aktuellen Podcastfolge sprechen Dr. Sebastian Voigt und Diandra Donecker, Geschäftsführerin des Berliner Auktionshauses Grisebach, über diese einzigartige Schnittstelle. Gemeinsam sprechen sie darüber, wie Kunstwerke bewertet und mit Zahlen bepreist werden. Welche Faktoren bestimmen den Wert eines Gemäldes? Wie werden Auktionen vorbereitet, und welche Rolle spielen Datenbanken wie ArtNet und ArtPrice bei der Preisfindung? Diandra gibt uns einen spannenden Einblick in die Welt der Auktionen – von den Schätzungen bis hin zu den aufregenden Momenten, wenn Gebote in die Höhe schnellen und Rekordpreise erzielen.


Neben den emotionalen Höhepunkten des Auktionssaals geht es aber auch um die Herausforderungen, mit denen sich Kunsthäuser heute konfrontiert sehen. Diandra erklärt, wie geopolitische Krisen und technologische Entwicklungen, wie Onlineauktionen, den Markt verändern. In einer persönlichen Anekdote erzählt sie von ihren Anfängen im Auktionsgeschäft und wie sie ihre Leidenschaft für die Kunstwelt entdeckte. 

Diese Folge bietet einen spannenden Blick auf die Schnittstelle zwischen Kreativität und Marktmechanismen – perfekt für alle, die sich für Kunst und die wirtschaftlichen Prozesse dahinter interessieren.


Links: 


Über den Gast:

Diandra Donecker ist seit 2019 Geschäftsführerin und Partnerin des Berliner Auktionshauses Grisebach. Zuvor sammelte sie umfangreiche Erfahrungen bei namhaften Institutionen wie Christie’s in München und dem Metropolitan Museum of Art in New York. Als Expertin für Fotografie, insbesondere Werke weiblicher Fotografen, bringt sie fundiertes Wissen und eine besondere Leidenschaft für Kunst mit. Schon früh entdeckte sie ihre Faszination für die Kunstwelt, inspiriert durch ihre kunstaffine Familie. Heute leitet sie eines der führenden Auktionshäuser Deutschlands.



Transkript

Diandra DoneckerMan hat Kunden, die sagen, also, ich gehe auf das Bild. Machen, ich kauf das und die bewegen sich in der Auktion kein Zentimeter, weil irgendwas dazwischenkam und doch keine Lust. Und genauso hat man diese Nelkenblüten schon, sage ich mal, abgetan und war so, ach Gott, wenn die vielleicht 5000 € machen, wunderbar und dann so 10 Minuten später verhundertfacht.

Sebastian VoigtHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt. Hallo, liebe Pricing Friends! Schön, dass ihr auch diese Woche wieder da seid. Neue Woche, neues Thema, neuer Gast. Und heute, glaube ich, werde ich sehr, sehr, sehr, sehr viel lernen in einem Thema, wo ich sonst nicht jeden Tag unterwegs bin. Und zwar wollen wir über Kunst und deren Preis sprechen. Ich glaube, da gibt es zwei sehr spannende Subthemen, nämlich erstens, wie wird Kunst eigentlich bewertet und bepreist? Und zweitens, wie wird es denn verkauft, nämlich in Auktionen. Und mein Gast heute ist Diandra Donecker. Sie ist Geschäftsführerin und Partnerin des Auktionshauses Grisebach hier in Berlin. War vorher aber auch bei Christie's, beim Metropolitan Museum of Art in New York und einige andere spannende Stationen. Das wird sie alles gleich erzählen. Erst einmal, schön, dass du da bist, Diandra.

Diandra DoneckerIch freue mich riesig, Sebastian, hier zu sein. Vielen Dank.

Sebastian VoigtUnd ich freue mich, glaube ich, fast noch mehr, heute ein bisschen was zu lernen über das Thema Kunst und Pricing. Hättest du, bevor meine E-Mail kam, gedacht, dass du mal vielleicht 60 Minuten über Kunstpreise in einem Podcast sprechen würdest?

Diandra DoneckerHm, also, ich muss zugeben, ich hab mich ein bisschen damit in den letzten Jahren doch auch auseinandersetzen müssen. Man kommt ja immer als Kunsthistoriker am Anfang ein bisschen aus seinem Elfenbeintürmchen und erklärt alles sozusagen über die Quelle, Bild und Bedeutungsebenen. Und ist erstmal so, Kunst und Preis und Kunst und Anlage und all das. Aber selbstverständlich geht es natürlich bei uns die ganze Zeit nicht nur um das Werk, sondern auch um den zu erzielenden Erlös für unseren Einlieferer, der es uns anvertraut, und für denjenigen, der es dann erwirbt, ganz relevant. Und insofern hab ich noch nicht so oft darüber gesprochen, aber Gott sei Dank oft darüber nachgedacht. Aber ich würde sagen, das ist mein erster Podcast, der so dezidiert diesen wirtschaftlichen Fokus beleuchtet. Premiere!

Sebastian VoigtPremiere! Irgendwann immer zum ersten Mal. Und lass uns noch mal einsteigen, wie bist du denn in die Kunstszene eingestiegen? Ist dir das schon in die Wiege gelegt worden? Oder wo kam deine Leidenschaft für das Thema her?

Diandra DoneckerIch würde sagen, irgendwie teils, teils. Also, ich hab einerseits tatsächlich das Glück oder die Bürde, je nachdem, dass ich in einem familiären Umfeld aufgewachsen bin, mit vielen, die eher sogar Kunst schaffen. Also, es gibt Musiker, Komponisten, meine eine liebe Großtante, die nicht mehr lebt, hat so Buchdruck und Schriftkunst an der Burg Giebichenstein gemacht, mein Vater ist Fotograf. Also, es gibt viele, viele Wege, die mich da bestimmt irgendwo begleitet und inspiriert haben. Und andererseits bin ich auch ein wahnsinnig großer so Bücherwurm. Und letztlich ist ja auch Kunstgeschichte nur eine Quellenarbeit. Also, ob man jetzt mit dem Buch arbeitet, der Textquelle, oder der Bildquelle. Das heißt, ich hatte schon immer so 'ne Hingezogenheit zu diesem Quelle, historischen, forschenden. Und dann fand ich's auch einfach immer wunderschön so im Museum und hab mich da pudelwohl gefühlt. Ich kann nicht malen, das vorweggenommen, aber ich gucke einfach gerne so in die Welt und wo was herkommt und wer wir sind, wer wir sind, vielleicht warum wir da auch herkommen. Das fand ich immer schon toll. So kam das.

Sebastian VoigtUnd du hast auch selber viel fotografiert, habe ich gelesen?

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