
DiGa und Pricing mit Nora Blum: Wie bestimmt man den Preis für digitale Gesundheitsanwendungen?
In der „Pricing Friends“-Folge #037 widmet sich unser Host Dr. Sebastian Voigt der komplexen Welt der digitalen Gesundheitsanwendungen, auch DiGAs genannt. Dafür hat er sich eine bekannte Expertin als Gesprächspartnerin geholt: Nora Blum, Psychologin, Mitgründerin von Selfapy und Expertin für digitale Gesundheitslösungen. Gemeinsam diskutieren sie die Entwicklung von DiGAs, den Zertifizierungsprozess, notwendige Investitionen, das Preismodell und die spannenden Preisverhandlungen mit den Krankenkassen.
Nora gibt den Hörer:innen am Anfang der Folge direkt zu verstehen, dass sie durch und durch Pricing-Fan ist: “Pricing ist so geil. Es gibt eigentlich kein Produkt, keine Dienstleistung, die spannenderes Pricing hat als digitale Gesundheitsanwendungen”. Als Selfapy an den Start ging, gab es noch keine DiGAs, und ihr Unternehmen war das sechste zertifizierte in ganz Deutschland – einem Land, das bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems stark hinterherhinkt. Ihre Preisverhandlungen gingen als Vorreiter in die Geschichte der DiGAs ein.
In dieser Folge bekommt Ihr nicht nur Einblicke in die Funktion und Vorteile, die DiGas bieten, welche Tücken sich in der Preisgestaltung verstecken und warum dies Gründer:innen vor Herausforderungen stellt, sondern auch Zukunftsprognosen sowie hilfreiche und offene Einblicke in Noras Erfolgsreise.
Über den Gast:
Nora Blum ist Psychologin und Mitgründerin von Selfapy, einem Anbieter digitaler Gesundheitsapps für psychische Erkrankungen. Vor acht Jahren gründete sie Selfapy und war bis vor einem Jahr CEO. Derzeit ist sie im Aufsichtsrat von Selfapy tätig und berät Startups im Gesundheitsbereich, insbesondere zu Pricing-Fragen. Nora hat Psychologie an der University of Cambridge studiert und davor ihren Bachelor an der University of York abgeschlossen, wo sie zu den besten 1 Prozent ihres Jahrgangs gehörte. Erste Berufserfahrungen sammelte sie bei Rocket Internet und foodora sowie in verschiedenen klinischen Einrichtungen wie dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Transkript
Nora BlumDu hast einen Preis, den setzt du einfach in ein kleines Feldchen bei deinem Antrag für diese Zertifizierung, und der wird auch nicht besprochen. Der steht da einfach und der ist gültig. Im ersten Jahr ist komplett der Herstellerpreis gültig. Also ich kann sagen, was meine App wert ist und was die Krankenkassen zahlen müssen, ob die wollen oder nicht.
Sebastian VoigtHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt. Hallo zusammen, liebe Pricing Friends! Schön, dass ihr alle wieder da seid zu einer neuen Folge eures Lieblingspodcasts. Und wir wollen heute über das Pricing von digitalen Gesundheits-Apps sprechen, kurz DiGAs. Für diejenigen, die das nicht kennen, wird unser Gast Nora das gleich ausgiebig erklären, aber die Kurzfassung sind, das sind digitale Anwendungen, die ein Arzt oder Ärztin oder Psychotherapeut verschreiben kann auf Rezept, von der Krankenkasse bezahlt wird und dann kann der Patient oder die Patientin zusätzlich zu den Terminen beim Arzt oder dem Therapeuten zu Hause seine Behandlung fortführen in dem Darkspot, oder so sagt man glaube ich bei den Ärzten, dort, wo wo der Arzt nicht reinguckt. Viele Anwendungsfälle sind Depressionen, Angststörungen, Alkohol- oder Zigarettensucht, und in unserem Kontext wollen wir natürlich wissen, wie bepreist man eigentlich so eine App, die vom Arzt verordnet wird. Und um diese Frage heute zu beantworten, habe ich einen ganz tollen Gast, der das viele Jahre operativ gemacht hat, nämlich Nora Blum. Schön, dass du da bist, Nora.
Nora BlumDanke für die Einladung, Sebastian. Ich freue mich, hier zu sein.
Sebastian VoigtAls wir vor ein paar Wochen zum ersten Mal sprachen und ich dir gepitcht habe: Lass doch mal eine Pricing-Folge zu DiGAs machen, da dachte ich, da kommt so ein Puh. Und was kam, war der Satz: Boah, ich finde Pricing voll geil.
Nora BlumPricing ist so geil. Ich habe heute noch mal gedacht, es gibt eigentlich, würde ich sagen, kein Produkt, keine Dienstleistung, die spannenderes Pricing hat als digitale Gesundheitsanwendungen. Da sind so viele kleine süße Tücken und alles Mögliche versteckt. Also, ich lieb's.
Sebastian VoigtExzellent. Also, wir werden viel zu besprechen haben heute. Vorher muss ich noch einen kurzen Werbeblock machen. Wenn ihr für das Thema Pricing auch so brennt wie Nora und ich oder gerade erst anfangt, dafür zu brennen, dann schaut doch mal bei hi.co. Wir suchen nämlich immer neue Kolleginnen und Kollegen auf allen Levels für unser Pricing-Consulting-Team. Also, schaut gerne mal auf unsere Website. Aber damit auch schon wieder Schluss mit dem Werbeblock. Ich glaube, viele Hörer werden dich kennen, Nora, aber vielleicht kannst du dich und auch die Firma, nämlich Selfapy, für die du jetzt jahrelang tätig warst, die du aufgebaut hast, einmal vorstellen, damit wir unsere Hörenden auch abholen.
Nora BlumJa, supergern. Hi zusammen, mein Name ist Nora. Ich bin Psychologin eigentlich ursprünglich mal in einem früheren Leben gewesen, habe dann ein eigenes Unternehmen aufgebaut, das nennt sich Selfapy, und wir bieten Gesundheits-Apps an für Menschen mit psychischen Erkrankungen, also eben für Menschen, die unter einer Depression oder einer Angststörung leiden. Ich habe das Unternehmen vor acht Jahren gegründet. Wir sind hier in Berlin, habe es als Geschäftsführerin geleitet, und das kurz als Sidenote, ich habe das meinen operativen Posten vor einem Jahr ungefähr verlassen und bin jetzt im Beirat tätig. Und bei Selfapy bieten wir Gesundheits-Apps an, die Menschen eben mit psychischen Erkrankungen in der Wartezeit vor allem zu einem Psychotherapieplatz unterstützen sollen. Es gibt in Deutschland ja sehr, sehr lange Wartezeiten auf Psychotherapieplätze. Man wartet im Schnitt so vier, fünf Monate, je nachdem, wo man wohnt, und das ist einfach eine wahnsinnig lange Zeit, in der Menschen, die unter einer Depression leiden, gar keine Hilfe bekommen. Und aus diesem Grund haben wir damals vor acht Jahren gesagt: Okay, wir wollen da was aufbauen, was Menschen niederschwellig hilft, was Menschen, ja, die Möglichkeit gibt, selbstbestimmt an ihren Symptomen zu arbeiten. Und wir haben dann diese Apps entwickelt, die Personen letztendlich die Strategien der Verhaltenstherapie beibringen. Das Ganze funktioniert mit Videos, mit Audios, mit Übungen. Also du bekommst letztendlich zugeschnittenen Content, zugeschnittene Inhalte, die dir helfen, mit deiner Symptomatik besser umzugehen. Und das Ganze wirkt und ist für Betroffene eben sehr hilfreich, einfach damit sie nicht so lange alleingelassen werden.
Sebastian VoigtUnd wir werden auf Selfapy immer wieder zurückkommen im Laufe des Gesprächs. Ich würde noch mal gerne so einen Schritt früher anfangen, nämlich generell glaube ich, wissen nicht alle, was wie DiGAs genau funktionieren. Also vielleicht kannst du uns ja mal erzählen, bevor wir jetzt auf Selfapy und auf Pricing kommen: Wie funktionieren DiGAs und wie funktioniert auch der Entwicklung-, der Zulassungsprozess, bis das Ganze wirklich auf dem Rezeptblock beim Arzt oder Therapeuten landet?
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