
Kultur und Pricing mit Tom Koch: Wie ermöglichen neue Preismodelle neues Publikum?
In der Folge #014 von "Pricing Friends" steht das Thema "Kultur und Pricing" im Fokus. Gemeinsam mit Tom Koch, einem erfahrenen Experten im Bereich Kulturmanagement und Preisstrategie, taucht Sebastian in die Welt der Kulturpreisgestaltung ein. Sie beleuchten innovative Preismodelle wie "Pay per Laugh", "Pay as You Stay" und diskutieren die Bedeutung dynamischer Preismodelle für Kultureinrichtungen.
Tom Koch teilt seinen reichen Schatz an Wissen und Erfahrung im Kulturmanagement, indem er Einblicke in die Konflikte zwischen kreativen und kaufmännischen Zielen gibt und erörtert, wie Kultureinrichtungen ein Gleichgewicht zwischen Kulturgut und Monetarisierung finden können. Er betont die Bedeutung der Anpassung von Preisstrategien an die sich wandelnden Bedürfnisse und Erwartungen des Publikums, um Kultur für alle zugänglich zu machen.
Insbesondere in Zeiten der Pandemie wurden viele Kulturbetriebe vor neue Herausforderungen gestellt, was zu einem Rückgang der Besucherzahlen und Einnahmen führte. Dies macht die Suche nach neuen Wegen, um Publikum anzuziehen und gleichzeitig die Wertschätzung der Kultur als essentielles Gut zu erhalten, umso relevanter.
Über den Gast:
Prof. Dr. Tom Koch (geb. Schößler) hat in zentralen Positionen im Theaterhaus Stuttgart und im Weserburg Museum für moderne Kunst in Bremen bedeutende Beiträge zu deren Preisstrategien geleistet. Seine Promotion über „Preisstrategien für Theater“ zeigt sein Engagement für die Verbindung von Kultur und Ökonomie. Heute lehrt er als Professor für Unternehmensführung, Marketing und Logistik an der Hochschule Emden/Leer und teilt sein umfassendes Wissen mit der nächsten Generation.
Tom's Kulturtipp: Tom Koch legt den Besuch der Ausstellung anlässlich des 250. Geburtstags von Caspar David Friedrich in der Hamburger Kunsthalle ans Herz. Eine einmalige Gelegenheit, die meisterhaften Werke dieses bedeutenden Romantik-Künstlers zu bewundern. Mehr Infos findet Ihr hier: LINK.
Transkript
Sebastian VoigtWelche Tipps hast du für den Ticketkäufer da draußen, der jetzt gerade bei Stage oder woanders unterwegs ist?
Tom KochAlso, wenn man irgendwo einkauft, wo es Dynamic Pricing gibt, dann tendenziell relativ früh, aber nicht gleich, wenn der Vorverkauf losgeht, denn dann sind häufig so die Fanpreise, sondern dann, ja, wenn's wenn's angefangen hat, aber man noch ein bisschen Vorlauf hat, so ähnlich wie bei den Flügen letztlich auch. Bei klassischen Häusern, die kein Dynamic Pricing machen, ist es eigentlich nicht so wichtig, wann ich genau buche. Da will ich natürlich trotzdem relativ früh buchen, damit ich die Auswahl habe aus den vielen Kategorien, die es dann gibt.
Sebastian VoigtHerzlich willkommen wieder einmal, alle Hörerinnen und Hörer, zum Pricing Friends-Podcast. Heute haben wir zu Gast: Tom Koch. Und wir wollen mit dir, lieber Tom, über das Thema "Pricing und Kultur" sprechen. Insofern: Schön, dass du hier bist.
Tom KochJa, vielen Dank für die Einladung, Sebastian.
Sebastian VoigtDie Pricing-Kultur an sich ist natürlich spannend. Aber heute geht es darum, wie Kulturveranstaltungen, Events, Museen bepreist werden im weiteren Sinne. Und ich glaube, ich hätte mir keinen besseren Gast malen können, denn du hast in Preisstrategien für Theater promoviert. Du hast im Weserburg Museum für moderne Kunst gearbeitet und im Theaterhaus Stuttgart. Und du bist jetzt Dozent für Kulturmanagement und Professor für Unternehmensführung, Marketing und Logistik an der Hochschule Emden/Leer. Und ich frage dich als Professor erst einmal. Ich habe oft das Problem, wenn ich neue Leute treffe und die fragen mich: "Ja, was machst du denn so?" Und ich erzähle: "Ja, ich bin Unternehmensberater für Pricing." Dann gucken die mich immer komisch an und die teilen zunächst einmal nicht meine Euphorie für dieses Thema. Geht das dir bei deinen Studierenden genauso? Hast du auch da vielleicht einen Tipp für mich, so einen Cold Open, wie man in der Podcast-Sprache sagt, um Leute fürs Pricing zu begeistern?
Tom KochJa, das das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Die meisten Studierenden wissen gar nicht, wo sie das einordnen sollen. Die können zwar verstehen, dass überall Preise sind und sie auch in ihrem Leben ständig damit konfrontiert sind, wissen aber erstmal gar nicht, was sie damit anfangen sollen. Und ja, was ich dann gerne mache, sind die praktischen Beispiele, ja: Gehen Sie durch den Supermarkt. Warum enden die Preise auf 99? Und so weiter. Und dann ja, sieht man meistens große Augen erstmal, aber sie sind angeregt. Und was dann einfach Spaß macht, ist, wenn ich ins Reden komme und über Preise, Preispolitik, Preispsychologie spreche, dann meldete sich neulich mal jemand und meinte so: "Sie brennen dafür, ne?" Und und dann waren sie abgeholt. Also, ich glaube, wenn man sich für so ein Thema begeistert und das rüberbringt, dann kriegt man alle damit.
Sebastian VoigtIch frage mich, und das wirst du sicherlich in der nächsten halben Stunde hier auch weiter erklären, du hast dazu promoviert, du hast ein Buch geschrieben: "Preispolitik für Theater", ein weiteres Buch: "Preispolitik im Kulturbetrieb", wie viel Innovation passiert denn dort? Generell erstmal generell, bevor wir vielleicht so ganz tief einsteigen gleich.
Tom KochTeils, teils. Also, zum Teil ist diese Branche sehr konservativ, sehr vorsichtig. Liegt natürlich auch an dieser Exposition in der Öffentlichkeit, häufig auch öffentliche Förderung, Subventionen, die da drinstecken. Man muss da sehr vorsichtig sein. Viel Politik, also nicht Preispolitik, sondern echte Politik, die da mitredet. Und gleichzeitig gibt es auch Häuser, die sehr experimentierfreudig sind. Also, wir haben da schon einige Preismodelle, die wir beobachten können, die ausgetestet werden. Pay what you want beispielsweise ist da recht beliebt. Es ist auch gar nicht mal so unüblich, dass zum Beispiel Museen versuchen, mit freiem Eintritt ihre Ziele zu erreichen und das dann andersrum irgendwie zu monetarisieren, also zum Beispiel durch Sponsorings oder Fördervereine oder sowas. Also, quasi dieses Free Free-Modell, wo wo Dritte für zahlen. Also, wenn man genau hinguckt, gibt's doch einige interessante Ansätze.
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