Pricing Friendsby hy, zur StartseiteGespräch mit hy

Folge #064 · 13.03.2025 · 45 Min.

Schuhe und Pricing mit Sebastian Feuß: Muss Nachhaltigkeit teuer sein, um glaubwürdig zu wirken?

Preise bestimmen mehr als nur den Umsatz – sie prägen die Wahrnehmung einer Marke, beeinflussen die Kundenbindung und entscheiden über langfristigen Erfolg. Doch wie setzt man eine Preisstrategie um, die auf Rabatte und Dynamic Pricing verzichtet? Und wie schafft es eine nachhaltige Marke, trotz hoher Produktionskosten wettbewerbsfähig zu bleiben?


In dieser Folge spricht Dr. Sebastian Voigt mit Sebastian Feuß, Geschäftsführer von Wildling Shoes, über die Kunst der Preisgestaltung ohne Discounts und aggressive Preisstrategien. Wildling setzt auf Direktvertrieb, Preistransparenz und eine enge Kundenbindung – ein Ansatz, der in einer rabattgetriebenen E-Commerce-Welt nicht selbstverständlich ist. Doch funktioniert das wirklich?


Sebastian Feuß erklärt, wie Wildling seine Preisstrategie entwickelt hat und warum das Unternehmen lange nach dem simplen „Kosten mal Faktor“-Prinzip kalkulierte. Was passierte, als Wildling die Preise im Erwachsenensegment anheben musste? Wie beeinflusst eine starke Community die Akzeptanz von Preiserhöhungen? Und warum kann ein Gruppenrabatt eine clevere Alternative zu klassischen Neukundenrabatten sein?


Die Folge beleuchtet auch, wie sich Inflation, steigende Rohstoffkosten und Wettbewerbsdruck auf nachhaltige Marken auswirken. Lässt sich mit konsequenter Preistreue gegen die Dynamik des Marktes bestehen? Welche Rolle spielen psychologische Preisgrenzen, Preistests und Marktanalysen? Und was passiert, wenn ein Unternehmen wie Wildling sich gegen die gängigen Mechanismen des Online-Handels stellt?


Außerdem geht es um innovative Pricing-Ansätze für die Zukunft: Ist ein Kreislaufmodell mit Reparatur- und Secondhand-Angeboten wirtschaftlich tragfähig? Und wie können nachhaltige Marken langfristig bestehen, ohne sich Rabattschlachten und Preiskriegen anzupassen?


Über den Gast:

Sebastian Feuß ist seit 2019 Geschäftsführer von Wildling Shoes und verantwortet dort die zentralen Unternehmensbereiche. Zuvor war er Berater bei McKinsey mit Fokus auf Konsumgüter und nachhaltige Geschäftsmodelle sowie Visiting Researcher bei Zalando. Neben seiner Tätigkeit bei Wildling ist er Business Angel und unterstützt nachhaltige Startups mit seiner Expertise in der Skalierung und Restrukturierung von Unternehmen.

Transkript

Sebastian FeußAlso wenn ich quasi ein 100-Euro-T-Shirt habe, ist der Effekt von so einem Siegel, Nachhaltigkeitssiegel, deutlich größer als bei einem 20-Euro-T-Shirt. In den Daten konnte man das natürlich nicht rauslesen, warum ist das so, aber die Hypothese ist tatsächlich, dass ich bei einem 100-Euro-T-Shirt das auch eher erwarte als Konsumentin und bei einem 20-Euro-T-Shirt vielleicht sogar die Glaubwürdigkeit des Siegels infrage stelle, so nach dem Motto, ja, wie kann das denn sein, so ein günstiges T-Shirt. Also ich meine, 20 € ist gar nicht so günstig, aber gibt ja auch 5-Euro-T-Shirts. Wie kann das denn sein, so ein günstiges T-Shirt und das soll jetzt auch noch nachhaltig sein? Und dann kaufe ich es lieber gar nicht.

Sebastian VoigtHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt. Hallo und herzlich willkommen, liebe Pricing Friends, zu einer neuen Ausgabe unseres Podcasts und schön, dass ihr wieder alle dabei seid. Ich glaube, wir hatten lange oder noch gar nicht einen Namensvettern von mir. Endlich mal ein Sebastian hier zu Gast. Hallo, Sebastian Feuß, schön, dass du da bist.

Sebastian FeußJa cool, vielen Dank für die Einladung. Schön es auch cool, hier zu sein.

Sebastian VoigtWir wollen heute über euer Unternehmen sprechen, Wildling Shoes oder Wildling Shoes für die Internationalen. Sehr spannende Gründerstory, spannendes Unternehmen und ich würde mich freuen, wenn du vielleicht einmal kurz erzählst, wer du bist, wo du herkommst, was ihr macht und dann reden wir über Pricing.

Sebastian FeußCool, ja supergerne. Genau, also ich bin ich bin Geschäftsführer bei Wildling Shoes. Bin 2019 dazugekommen. Das Unternehmen ist 2015 gegründet worden, das heißt, ich bin ein bisschen später erst quasi an Bord gekommen. Kümmer mich hauptsächlich um die ganzen Themen E-Commerce, Supply Chain, Finance, Tech, People-Bereich und genau, was habe ich gemacht? Ursprünglich war ich in der Unternehmensberatung ein paar Jahre bei McKinsey. Dann war ich bei Zalando und habe da quasi mit so der Hälfte meiner Zeit das ganze Thema nachhaltige Mode mit aufgebaut und das war dann sozusagen so der der der Weg zu Wildling letztendlich. Werden wir später auch noch mal ein bisschen mehr zu erzählen zum Thema Nachhaltigkeit. Und in der anderen Hälfte meiner Zeit habe ich quasi mit den Daten, die wir da generiert haben, in diesem Nachhaltigkeitsprojekt meine Doktorarbeit geschrieben zum Thema, wie man eigentlich nachhaltige Produkte vermarktet. Da vielleicht auch so direkt erster erster Pricing Insight damals, war auch ein ein ein Thema davon, dass wir festgestellt haben, dass quasi umso teurer ein Produkt ist, relativ zu seiner Kategorie, umso stärker ist am Ende auch die Wirkung von so Nachhaltigkeitszertifikaten. Das so, so vorab ist mir noch mal eingefallen.

Sebastian VoigtOh, da müssen wir direkt direkt einsteigen, wo wir schon hier im Thema sind. Also, wenn ich eine Hochpreisstrategie habe, dann hilft mir das Zertifikat in dem Sinne auch mehr, als wenn ich ein Niedrigpreis-Segment bin?

Sebastian FeußGenau, ja, ja. Also wenn ich quasi ein 100-Euro-T-Shirt habe, ist der Effekt von so einem Siegel, Nachhaltigkeitssiegel, deutlich größer als bei einem 20-Euro-T-Shirt.

Sebastian VoigtWeil die Leute dann denken, okay, dann ist es mir auch wert und wenn ich ob ich jetzt 10 oder 9 € zahle, das ist mir dann fast egal?

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