Pricing Friendsby hy, zur StartseiteGespräch mit hy

Folge #062 · 27.02.2025 · 62 Min.

NGOs und Pricing mit Larissa Probst und Björn Lampe: Warum müssen Non-Profits in Fundraising investieren?

Spenden helfen, verändern Leben und sind essenziell für eine funktionierende Zivilgesellschaft – doch sie folgen auch bestimmten wirtschaftlichen Mustern. Warum spenden Menschen, wann fühlen sie sich angesprochen und welche Herausforderungen haben Organisationen dabei, sich nachhaltig zu finanzieren? In dieser Folge von hy Pricing Friends spricht Dr. Sebastian Voigt mit Larissa Probst, Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising-Verbands, und Björn Lampe, Vorstand der gut.org gAG, über die Balance zwischen gesellschaftlicher Wirkung und wirtschaftlicher Stabilität.


„Um Spenden zu generieren, braucht es Aufmerksamkeit, qualifizierte Mitarbeitende und Strukturen, die sicherstellen, dass das Geld auch wirklich ankommt. All das erhöht zwar den Overhead, sorgt aber auch für einen größeren Kuchen – also mehr Menschen, die spenden, und einen wachsenden Spendenmarkt, statt nur innerhalb eines begrenzten Budgets zu konkurrieren.“ Darüber sprechen Larissa Probst und Björn Lampe in dieser Folge. Wie schaffen NGOs es, langfristige Unterstützung zu sichern? Was macht eine erfolgreiche Fundraising-Strategie wirklich aus? Und wie können Organisationen Vertrauen aufbauen, wenn gleichzeitig steigende Kosten sie zu unternehmerischem Denken zwingen? Eine Folge über neue Finanzierungsmodelle, den schmalen Grat zwischen Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohl – und darüber, was wir aus unseren eigenen Spendengewohnheiten lernen können.


Über die Gäste:

Larissa Probst ist Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising-Verbands, der sich für die Professionalisierung und Weiterentwicklung des gemeinnützigen Sektors einsetzt. Sie beschäftigt sich mit den Herausforderungen, vor denen NGOs in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Umfeld stehen, und setzt sich für faire und nachhaltige Fundraising-Strategien ein.


Björn Lampe ist Vorstand der gut.org gAG und verantwortet unter anderem betterplace.org, Deutschlands größte Online-Spendenplattform. Seit über 20 Jahren ist er im Non-Profit-Sektor tätig und bringt umfassende Erfahrung im digitalen Fundraising mit.



Transkript

Björn LampeEs ist natürlich wirklich eine eine herausfordernde Abwägung, weil als NGO ins Risiko zu gehen mit Spendengeldern ist eine Thematik. Also sprich, wenn ich einen neuen Fundraisingkanal z. B. für mich entwickeln will und dafür erstmal Geld in die Hand nehmen muss, vielleicht in Technologie investieren und ähnliches, das sind Spendengelder und der Spender erwartet ja, dass vor allem der Zweck meiner Organisation damit finanziert wird. Wenn ich mir jetzt sage, okay, ich habe 100.000 € genommen, hab versucht einen neuen Fundraisingkanal aufzubauen, hat nicht geklappt, würde beim Unternehmen jeder sagen, ja, okay, war ein Versuch wert. Next. Ja? Das ist im NGO-Bereich definitiv nicht der Fall.

HostHerzlich willkommen zum Pricing Friends Podcast mit Sebastian Voigt.

Sebastian VoigtHallo, liebe Pricing Friends und schön, dass ihr wieder da seid zu einer ganz spannenden Folge. Heute wollen wir über den Widerspruch oder den Zwiespalt zwischen Pricing und Non-Profit-Organisationen sprechen. Das wird ganz spannend. Heute mit zwei Gästen, zum einen Larissa Probst, sie ist Geschäftsführerin des Deutschen Fundraisingverbands und Björn Lampe, der betterplace-Geschäftsführer. Erst einmal schön, dass ihr beide heute da seid.

Larissa ProbstHallo.

Björn LampeHallo.

Sebastian VoigtWir haben heute eine kleine technische Herausforderung, uns wurde das Mikrofon gestohlen, Unverschämtheit. Ich will niemanden beschuldigen, wir wissen nicht, wie es passiert ist, aber die beiden müssen sich heute ein Mikro teilen. Ich hoffe, ihr könnt darüber hinwegsehen, wenn es mal eine Sekunde länger dauert, bis das Mikro bei der richtigen Person ist, aber dafür revanchieren wir uns mit einem hoffentlich sehr spannenden Podcast. Wir wollen heute, wie gesagt, über das deutsche Spendenwesen sprechen. Das sind ungefähr 6 Milliarden € an Privatspenden, die im Jahr 2024 an wohltätige Organisationen gingen. Dazu gibt's noch mal ganz viele Großspenden, wahrscheinlich ungefähr noch mal in der gleichen Größenordnung, aber das wird Larissa uns gleich erzählen. Ich hoffe, ihr habt auch in den letzten 12 Jahren 174 € oder mehr gespendet. Das war nämlich der deutsche Durchschnitt. Und wir wollen auch, wie gesagt, heute einmal über die Herausforderungen von NGOs in Pricing und Monetarisierung spenden. Nee, nicht nur spenden, sondern auch sprechen, über die Durchführung, über die Unterstützung sozialer Projekte, wie Spendengelder verteilt werden, wie man da rankommt, ein großes Feld und ja, da freue ich mich drauf. Einmal aus der Verbandsperspektive, nämlich Larissa, und dann der, wer operativ daran arbeitet, nämlich Björn. Larissa, erzähl doch mal, was sind vielleicht die größten Herausforderungen des deutschen Spendenwesens?

Larissa ProbstAlso aktuell sind die Herausforderungen vor allem natürlich Verunsicherung im Land durch unterschiedliche politische Herausforderungen und Narrative, die uns jetzt gerade nicht irgendwie besonders zuversichtlich und vertrauensvoll in die Zukunft blicken lassen und ja auch so eine Tendenz ist, dass man sich gegenseitig sehr kritisch beäugt, auch Institutionen, auch NGOs. Das ist, glaube ich, so'n so'n globaler Trend auch, den wir leider beobachten und natürlich jetzt gerade auch in Deutschland und das andere ist natürlich auch, dass wir mit dem Altern sozusagen der Boomer-Generation besonders treue und gut einzuschätzende Spenderinnen und Spender zukünftig verlieren werden und wir jetzt viel stärker sehen müssen, wie wir die jüngere Generation für gemeinwohlorientierte Zwecke gewinnen können.

Sebastian VoigtDu bist Geschäftsführerin des Deutschen Fundraisingverbands seit 2018. Vielleicht kannst du uns ja mal kurz durch deine Vita führen und dann aber auch erklären, was ihr bei dem Verband macht.

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